Die Kacheln aus dem Heimatmuseum Sinsheim – Überlegungen zur Bildersprache und Formenvielfalt reliefierter Ofenkeramik im Kraichgau*

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 Montierung von Kachelfragmenten für eine erste museale Präsentation im Stadt- udn Freiheitsmuseum in SinsheimDas Heimatmuseum Sinsheim verfügt über einen größeren Bestand an Ofenkacheln, die im Rahmen der Erfassung der Museumsbestände gesichtet wurden.1 Aus den 119 Fragmenten ließen sich 78 verschiedene Motive ableiten. Die Zeitspanne der Objekte erstreckt sich vom 14. Jahrhundert bis zur Jahrhundertwende. Ein deutlicher Schwerpunkt bildet das 17. Jahrhundert. Da fast alle Stücke ohne Bezeichnung ihrer Herkunft im Museumsdepot verwahrt werden, sind kleinräumige Aussagen, wie das Aussehen und die Verbreitung von Öfen in Sinsheim selbst und die Lage der Hafnerwerkstätten nicht möglich. Vergleichbar mit der Vorstellung der Ofenkacheln aus Heilbronn und Umgebung sollen im Folgenden acht herausragende Einzelstücke vorgestellt werden.2 Archivalische Quellen, wie Rechnungsbelege, Zunftordnungen oder Bauakten bleiben unberücksichtigt.

Der Kachelofen hatte vor Einführung der Dampfheizung als ideale Raumheizung im gesamten Südwestdeutschland für über fünfhundert Jahre Bestand.3 Seine Vorteile gegenüber der offenen Feuerstelle oder dem Kamin bestehen in der Beheizbarkeit von Außen ohne störende Rauchentwicklung. Die eingefügte Keramik vergrößert die Ofenoberfläche, wodurch ein verhältnismäßig großer Teil der Wärme in den Raum abgegeben wird. Nach dem Verlöschen des Feuers bleibt der Ofen durch die Speicherwirkung der Keramik noch lange Zeit warm. Ein Kachelofen setzt sich aus einer Vielzahl von Einzelkacheln zusammen. Will man deren Oberfläche mit einem Relief verzieren, so benötigt man ein Model, eine Negativform aus Ton oder Holz. Solche Model erlaubten es dem Hafner, eine Vielzahl gleicher Kacheln anzufertigen. Ein Model konnte von ihm selbst entworfen oder geschnitten werden. Daneben waren weitere Handwerker an der Schöpfung von Model beteiligt. Bedeutende Künstler lieferten mit Holzschnitten und Kupferstichen Bildvorlagen, die von Holzschnitzern und Modelschneidern zu einem Relief umgearbeitet wurden. Model wurden, ihrem Wert entsprechend, gehandelt und getauscht. Nach gleichen Vorlagen wurden in etwas abgeänderter Form unter erheblichem Qualitätsverlust neue Model geschaffen. War ein Model in den Besitz eines Hafners gelangt, so gehörte das kostbare Stück über Generationen dem Bestand der Töpferei an. Für die Herstellung einer Kachel schneidet man von einem großen, rechteckigen Block, dem Blätterstock, dünne Tonscheiben ab. Sie werden unter einem groben Formentuch aus Leinen mit dem Handballen und den Fingern möglichst fest in das Model eingedrückt. Das poröse und trockene Model entzieht dem Ton Feuchtigkeit und man kann nach einiger Zeit die durch Wasserverlust geschrumpfte Platte mühelos aus der Form lösen. Das Relief wird nachgearbeitet und an den Rändern zurechtgeschnitten. Mit Tonschlicker bringt man auf der aufgerauhten Rückseite einen auf der Töpferscheibe vorgeformten Steg, die Zarge, an. Sie verankert die Kachel im Ofenkörper. Je nach Brenntechnik und Verzierung überzieht der Hafner die Kachel mit einem hellen Tonschlicker, der Engobe, um nach dem ersten Brand einen hellen Untergrund für eine Glasur zu schaffen. Bei 500 Grad wird das Stück im Schrühbrand vorgebrannt. Danach kann durch Eintauchen in eine wäßrige Mischung aus gemahlenem Quarzsand und Metalloxyden eine Glasurschicht aufgetragen werden. Bei einem zweiten Brand bei etwa 1000 Grad, dem Glattbrand, schmilzt diese Mischung und es bildet sich eine glasartige, wasserundurchlässige Glasurschicht. Die fertigen Kacheln werden meist von dem Hafner, der die Kacheln hergestellt hat, zu einem Ofen zusammengefügt. Um die Kacheln nahtlos aneinanderreihen zu können, fertigte der Hafner vor Beginn der Arbeiten eine Arbeitsskizze an, in der die Maße der Einzelkachel genau aufeinander abgestimmt sind.

Öfen bildeten schon aufgrund ihrer Funktion den Mittelpunkt des häuslichen Lebens. Ihre Oberflächengestaltung entsprach der Auffassung von Möbeln und anderem Hausrat als eigenständige architektonische Gesamtheit. Mit der Verfeinerung der Relieftechnik erhielt die Ofenwand die Funktion eines Bildträgers, mit dessen Hilfe der Hausherr dem Betrachter seinen eigenen Bildungsgrad vor Augen führen möchte. Leider fehlt in Sinsheim bislang ein solches Bildprogramm. Zudem schreckte die Vielzahl kleinteiliger Fragmente vor einer eingehenden Beschäftigung mit solchem Material ab. Diese Tatsache ist jedoch um so bedauerlicher, da gerade Fragmente, die oberflächlich besehen nahezu ihre gesamte Aussagekraft verloren haben, weitreichende Rückschlüsse erlauben.

Maria aus einer zweiteiligen Verkündigsdarstellung

Als Beispiel für ein aufwendiges Bildprogramm, von demn sich jedoch nur wenige Reste erhalten haben,sei auf ein kleines, grün und gelb glasiertes Fragment einer Nischenkachel mit geschlossenem Halbzylinder verwiesen.4 Die Vorderseite wird durch einen senkrechten Grat in zwei etwa gleichgroße Hälften unterteilt, die farblich voneinander abgesetzt sind. Die rechte Bildhälfte weist ein in Schrägansicht wiedergegebenes Lesepult auf, auf welchem ein aufgeschlagenes Buch liegt. Das pfeilerförmige Lesepult besitzt an seiner Schmalseite eine hochrechteckige Öffnung zum Einstellen von Büchern. Direkt oberhalb des Lesepultes setzt die flechtbandbesetzte Arkadenlaibung der Rahmenarchitektur an. Das Bildfeld kann durch Parallelstücke aus Colmar, Esslingen, Ettlingen, Karlsruhe-Durlach, Köln,Neuenburg/Rhein, Ortenburg, Ottenhöfen und Partenstein vervollständigt werden.5 Danach kniet Maria vor dem Lesepult und ist andächtig in das Studium eines Buches vertieft. Hinter ihr steht auf einem kleinen Tisch mit gedrechseltem Fuß eine Vase mit Lilie. Von links oben schwebt eine Taube zum Kopf Mariens herab. Sie geht von einer bärtigen Männerfigur aus, die den Zwickel in diesem Bereich ziert. Ihr gegenüber erkennt man eine Sonnenscheibe. Die Szene stellt die Verkündigung dar. Der Marienkachel besaß ursprünglich ein Gegenstück mit dem Verkündigungsengel.6 Bei der als Büste wiedergegebenen Zwickelfigur dürfte es sich um Gottvater handeln.7 Der in gotischer Minuskel auf einem Wappenschild angebrachte Buchstabe a im Bogenscheitel bezeichnet weniger den Modelschneider oder Hafner,8 sondern bezieht sich auf den ersten Buchstaben der Anrufung Mariens durch den Engel.

Zweifellos kann die in der Mitte des 15. Jahrhunderts entstandene Kachel zu den Meisterwerken ihrer Art gezählt werden. Das Sinsheimer Stück überrascht durch seine Zweifarbigkeit und läßt auf einen entsprechend prächtigen spätgotischen Ofen schließen. Die auffallende Konzentration vergleichbarer Kacheln am Oberrhein scheint zudem die These einer kölnischen oder mittelrheinischen Provenienz zu widerlegen. Bei dem Relief handelt es sich um ein vergleichsweise frühes Zeugnis, das auch für den Sinsheimer Raum eine hochstehende Kachelkunst voraussetzt, wie es die Funde vom Kornmarkt in Heidelberg und von der Burg in Zuzenhausen mit der nötigen Klarheit belegen.

Die Monatsallegorien nach Jost Amman

Vom Fragment zum Gesamtkunstwerk gelangt man auch bei der näheren Betrachtung einer Kachelscherbe mit der Monatsallegorie des März.9 Die unglasierte Kachel war ursprünglich mit Graphit beschichtet. Der Graphitüberzug ermöglichte mit seiner schwärzlich schimmernden Oberfläche eine farbliche Angleichung an einen Eisenunterbau mit Ofenplatten. Er war bei weitem nicht so haltbar wie ein vergleichbarer Glasurauftrag, erwies sich jedoch unter Umgehung eines zweiten Brennvorgangs als wesentlich kostengünstiger. Das Bildfeld des Fragments mit Monatsallegorie ist von einer mehrfach getreppten Rahmenleiste umschlossen. Darin erkennt man eine Rahmenarchitektur in Form einer Arkade. Anstelle von Pfeilern trägt eine weibliche Figur den aufliegenden Segmentbogen. Ihre Arme sind zu Voluten zurückgebildet. Unterhalb der Taille ist der Unterleib als ein sich verjüngender Pfeiler fortgesetzt. Damit gibt sich die Figur als Karyatide zu erkennen. Als Zwickelschmuck dient ein gebündelter dreiteiliger Blätterstrauß mit birnenförmigem Zentralsproß. Sein symmetrischer Aufbau wird durch die Hinzunahme einer in Richtung des Bogenscheitels wachsenden Ranke durchbrochen. Vom Innenfeld hat sich nur die parallel zur Bogenlaibung verlaufende Inschrift …VS .3 . erhalten. Eine Kachel aus der Färbergasse 8 in Ettlingen ermöglicht eine weitgehende Rekonstruktion. Ihrzufolge besaß das Stück ursprünglich eine quadratische Grundform. Die Rahmenarchitektur setzt sich aus einer gegenständigen Herme und Karyatide zusammen, deren Unterleiber über einer gestuften Basis in einem Dreipaß enden. Über den Figuren spannt sich ein gedrückter Segmentbogen. Seine Laibung ist mit einer Leiste belegt, auf der in alternierendem Wechsel Perlen und Leisten aneinandergereiht sind. Die Ettlinger Kachel erlaubt Rückschlüsse auf den Bildinhalt des Innenfelds. Man erkennt dort einen jugendlichen Kavalier mit Blume und Laute. Seine Gewandung besteht aus einem scheinbar willkürlichen Nebeneinander antiker Versatzstücke, wie einem Brustpanzer, der als idealisierte Darstellung des darunterliegenden nackten Oberkörpers gebildet wurde, und zeitgenössischen Modeerscheinungen, wie dem Mühlsteinkragen. Die Umschrift MAY .5 . auf Kopfhöhe weist ihn als Monatsverkörperung aus. Die Gestaltung der Monatsallegorie auf dem Ettlinger Stück, sowie auf vergleichbaren Kacheln aus Emmendingen, Frankfurt a. M., Hechingen und Kuppenheim10 kann auf Radierungen von Jost Amman zurückgeführt werden. Es handelt sich um eine zwölf Blätter umfassende Folge, die vom Goldschmied Stefan Hermann in Ansbach herausgegeben wurde.11 Auf dem Monatsbild Dezember findet sich rechts unten die Datierung 1588 und die Initialen IA. Das Monogramm weist die Bildfolge dem in Nürnberg ansässigen Kleinmeister Jost Amman (1539-1591) zu. Der außerordentlich produktive Illustrator von Bibeln gestaltete auch Historien-, Kriegs- und Jagdszenen, sowie Trachten- und Wappenbücher. Die zeichnerische Vorlage der Monatsallegorien wurde bei ihrer Umsetzung in das Relief detailgenau übernommen. Als Beschränkung erwies sich das Bildformat. Es zwang den Modellschneider zur Rücknahme der in manieristischer Manier gelängten Gliedmaßen.

Aufgrund der Vergleiche kann die Inschrift auf der Sinsheimer Kachel als MARTIVS .3 . ergänzt werden. Der Monat ist bei Jost Amman durch einen nach rechts schreitenden jungen Mann verkörpert. Er hält mit seiner Linken ein prall gefülltes Schultertuch, das über der rechten Schulter zusammengeknotet ist. Das Tuch enthält Saatgut, welches der Bauer mit seiner rechten Hand in die Furchen eines leicht abschüssigen Ackers streut. Hinter der Figur steht sein geöffneter Getreidesack. Die Feldarbeit findet bei Amman ihre Fortsetzung im Ernten (August) und Dreschen (November) des Getreides. Eine vergleichbare Darstellung in den Très Riches Heures des Duc de Berry aus dem Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts charakterisiert den Monat Oktober.

Das Model für eine Rahmenarchitekur kann ebenfalls zumindest indirekt mit den Monatsallegorien nach Amman in Verbindung gebracht werden.12 Von dem als Negativform gearbeiteten Stück hat sich nur die obere rechte Ecke erhalten. Die umlaufende Rahmenleiste auf der Rückseite ist stellenweise mit nach innen weisenden Grifflappen besetzt. Diese erleichterten beim Herstellungsprozeß das Lösen der Kachel vom Model. Das an den Graten stark abgearbeitete Model weist im Bereich des Innenfelds eine Aussparung auf. Damit konnte der Hafner bei gleichbleibendem Architekturrahmen verschiedene Bildmotive einfügen. Zu diesem Zweck verengte man am Rahmenmodel die Ansatzstelle zwischen Rahmen und Innenbereich nach unten um etwa einen Zentimeter. Nach dem Einsetzen des Innenfeldes konnte man die Kachel in einem Arbeitsgang ausformen. Vom Einsatz des Bildfeldes zeugte auf der Kachel nur noch der vorstehende schmale Grat zwischen Innenfeld und Rahmen. Die Rahmenarchitektur setzt sich aus einem Bogen zusammen, der auf Pfeilern mit kassettierter Vorderseite ruht. Die Kassette ist mit akanthusblattbesetztem Vasendekor gefüllt. Das verkürzt wiedergegebene Seitenteil weist einen aufgelegten Halbstab auf. Die Gestaltung des Segmentbogens und des Zwickeldekors entspricht weitgehend der Sinsheimer Kachel mit der Monatsallegorie des März. Vergleichsstücke aus Durlach, Ettlingen und vom Schloß Schramberg13 legen nahe, daß die Rahmenarchitektur in erster Linie zusammen mit den angeführten Monatsdarstellungen nach Jost Amman Verwendung fand. Daß eine entsprechende Kombination nicht zwangsläufig vorliegen muß, zeigen Fragmente einer Kachel aus der Färbergasse 13 in Ettlingen, deren Innenfeld mit einer Apostelfigur besetzt ist. Das Sinsheimer Rahmenmodelfragment belegt die regionale Fertigung entsprechender Kacheln. Es gelangte als Einzelfund in die Bestände der örtlichen Sammlung. Einer nachträglichen Tuscheinschrift auf der Rückseite zufolge stammt es vom Kirchplatz in Sinsheim. Eine genauere Lokalisierung der dazugehörigen Hafnerwerkstatt ist nicht möglich. Die Übereinstimmungen in Details und in den Maßverhältnissen lassen vermuten, daß ein entsprechendes Model auch der Durlacher Kachel zugrunde lag.14 Aufgrund der Zeitstellung der Vorlage, sowie in Übereinstimmung mit der Datierung der Vergleichsstücke dürften die Kachel mit der Monatsallegorie und das Rahmenmodelfragment in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts gefertigt worden sein. Eine vergleichbare Ausformung mit einer Monatsallegorie nach Amman in Lohr a. M. wurde erst um die Jahrhundertwende hergestellt und belegt die Existenz entsprechender Model – zumindest als Reminiszenz an die alten Meister – bis in das 20. Jahrhundert.

Eine Serie mit den sitzenden Sinnen

Neben den Monatsallegorien konnten auf Renaissanceofenkacheln zahlreiche weitere Versinnbildlichungen dargestellt werden. Als Beispiel wird die Hauptseite einer braun glasierten Eckkachel aus Sinsheim angeführt.15 Eckkacheln waren als Eckteile in die Ofenwandung eingebaut. Die im rechten Winkel aufeinander zulaufenden Bildfelder weisen unterschiedliche Breite auf, da man aus statischen Gründen die Kacheln in den übereinander liegenden Zeilen versetzt zueinander anordnete. Durch die Breitendifferenzierung der darunter- und darüberliegenden Eckkacheln münden die verschieden langen Zeilenenden in einem geraden vertikalen Abschluß. Die Schmalseite der Eckkachel ist mit Vasendekor besetzt. Einer kugeligen Amphore entwächst ein senkrechter, mehrfach segmentierter Stamm, von dem verschiedenartige blatt- und fruchttragende Triebe abzweigen. Der weitgehend ornamentale Charakter der Darstellung zeigt sich in erster Linie in der streng symmetrischen Anordnung der Einzelelemente, sowie im volutenbesetzten Amphorenfuß. In dem an die Schmalseite anschließenden quadratischen Bildfeld setzt sich die Ornamentierung in einem Rollwerkrahmen fort, der das figürlich verzierte Innenfeld umschließt. In Sinsheim hat sich nur noch die linke Hälfte des ursprünglich quadratischen Kachelblatts erhalten. Man erkennt einen Hund, dessen Vorderpfoten im Schoß einer sitzenden Figur ruhen. Sowohl die Figur, als auch der Hund sind in Seitenansicht wiedergegeben. Der Bildhintergrund ist mit Sträuchern besetzt. Die Szene kann mit Hilfe von Vergleichsbeispielen gedeutet werden.

So haben sich entsprechende Medaillonkacheln von einem Ofen in der Kirchgasse in Ettlingen erhalten, die sich mit Model aus der Strobl-Werkstatt in Salzburg vergleichen lassen.16 Demzufolge zeigte das Sinsheimer Relief ursprünglich eine sitzende, nach links gewendete Frau, die an einem Blumenstrauß roch. Ein Hund mit erhobenem Schweif legte seine Vorderpfoten in ihren Schoß. Die Umschrift auf dem Salzburger Model DER GESHMACH erlaubt in Verbindung mit vier weiteren szenischen Darstellungen die Ansprache als eine der Allegorien der Fünf Sinne: dem Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Fühlen. Die sitzenden Frauen sind in einer Tätigkeit begriffen, die den jeweils verkörperten Sinn anspricht. Tiere, denen vergleichbare Sinnesgaben zugeschrieben werden, flankieren die Darstellung. Waren die Sinnesallegorien zu Beginn der Renaissance weitgehend mit christologischen Themen verknüpft, so neigte man in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einer durchaus weltlichen Auffassung des Themas, das durch Galanterieszenen bereichert werden konnte. Die Serie der Fünf Sinne nach Salzburger Prägung steht am Übergang zur Verweltlichung des Themas. Sie war in der vorliegenden Form seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Südtirol und Salzburg im Süden über den Bodenseeraum bis an den Mittelrhein verbreitet.17 Ein Ofen mit vergleichbaren Darstellungen befindet sich im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Allen Reliefs lag bei großer Variationsbreite der Rahmung dieselbe Stichvorlage zugrunde. Zumindest indirekt könnte eine Kupferstichfolge von Jost Amman als graphische Vorlage gedient haben.18 Die abweichende Haltung der Frauenfiguren und das Fehlen der Tierdarstellungen dürften sich jedoch auf eine weitere Vorlage zurückführen lassen. In die Gruppe können auch Sinnesallegorien einbezogen werden, die als Assistenzfiguren in besonders aufwendig gestaltete Rahmenarchitekturen eingebunden waren.19 Daß die in Sinsheim nachgewiesene Rahmenform mit Rollwerkdekor auch regional durchaus nicht unüblich war, zeigt ein vergleichbares Fragment einer Laute spielenden Frau aus Weinsberg, deren ursprüngliches Aussehen anhand einer Kachel aus dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt rekonstruiert werden kann.20 Hinsichtlich der Abmessungen, der Rahmenform und Motivwahl stimmt das Sinsheimer Fragment weitgehend mit Modeln der fünf Sinne aus Ravensburg überein.21

Die Sieben Freien Künste nach Pencz

Deutliche Übereinstimmungen mit Modeln aus Ravensburg weist auch das Motiv eines grün glasierten Sinsheimer Kachelfragments auf.22 Man erkennt den oberen Abschluß einer Rahmenarchitektur. Auf dem schmalen Bogen sitzen zwei geflügelte Putten, die in der Scheitelzone eine Muschel halten. Das Innenfeld zeigt einen nach rechts gewendeten Frauenkopf, der auf ein scheibenförmiges Meßgerät blickt. Es kann als Astrolabium angesprochen werden, mit dessen Hilfe Zeitbestimmung, Horizontal- und Vertikalmessungen, sowie die Erstellung von Horoskopen möglich war.23 Vergleichsstücken aus München und Ravensburg24 zu Folge war das Innenfeld durch eine Arkade mit auffallend hohem, löwenkopfbesetztem Sockel eingefaßt. Es zeigte eine nach recht blickende, sitzende Frau, die sich mit ihrem linken Arm auf einen Globus stützt. Der rechte Arm weist nach oben. Neben ihr liegt ein Stechzirkel. Zu ihrer Linken steht auf einem Podest ein Putto. Er hält das erwähnte Astrolabium mit beiden Händen vor das Gesicht der Frau. Die Sockelzone des Podestes trägt die Jahreszahl 1599 und die Signatur VF. Als Vorlage diente ein Kupferstich der Astrologieallegorie des Nürnberger Kleinmeisters Georg Pencz (um 1500 – 1550). Die Sockelzone unter dem stehenden Putto trägt sein Künstlermonogramm PG. Der Kupferstich weicht nur unwesentlich von der Umsetzung in das Relief ab. So handelt es sich bei dem astronomischen Meßgerät um einen drittelkreisförmigen Sonnenquadranten zur Berechnung der Sonnen- und Planetenstunden. Der Zeigegestus erhält bei der graphischen Vorlage einen Sinn. Dort spielt sich die Szene in einem Innenraum ab. Ein Fenster hinter der Frau gibt den Blick auf einen Sternenhimmel frei, auf den sie mit ihrem angewinkelten Arm weist. Die Astrologie gehört zu den Sieben freien Künsten: Grammatik, Dialektik, Rhetorik, Arithmetik, Musik, Geometrie und Astrologie. Die mit der Astrologie vorgetragene Lehrmeinung von der Vorausbestimmbarkeit des menschlichen Schicksals beruht auf der Annahme eines inneren Zusammenhang von Makrokosmos und Mikrokosmos. Unter Hinzuziehung neuster mathematischer Meßinstrumente bemühte man sich in der Renaissance, die astrologische Rechenkunst zu verfeinern, um mit Hilfe der Konstellation der Gestirne möglichst präzise Vorhersagen treffen zu können. Bereits Rosemarie Franz charakterisierte die Darstellung in der vorliegenden Form als derb in der Modellierung25 und wies ihr einen volkstümlichen Charakter zu. Dieser Eindruck bestätigt sich beim Vergleich mit einer Kölner und Speyerer Serie der Sieben freien Künste nach Hans Sebald Beham.26 Dazu trägt in besonderem Maße die reichhaltig dekorierte Rahmenarchitektur bei. So verliert das Innenfeld aufgrund der kleinteiligen Löwenmaske in der breiten Sockelzone einen Großteil seiner Ausdruckskraft.

Eine Kanzkachel in der Art der Halbzylinderkacheln vom Typ Tannenberg

Die formale Entwicklung eines Kacheltyps von der Spätgotik zum Barock läßt sich in Sinsheim vorbildlich anhand von Kranzkacheln aufzeigen. An den Anfang kann ein annähernd quadratisches, grün glasiertes Fragment gestellt werden, welches vermutlich auch das älteste Kachelfragment in den Sinsheimer Beständen darstellt.27 Seine modelgepreßte Vorderseite ist mit stark schematisiertem Astwerk gefüllt. Es ist an allen Seiten durch Grate gerahmt. Den oberen Abschluß bildet eine schindelförmige Struktur. Die Keramik ist nicht in den Ofenkörper eingebunden. Die Verklammerung mit dem Ofenkörper in Form eines Halbzylinders setzt erst auf Höhe der unteren Leiste an. Das Sinsheimer Fragment gehörte zum Oberteil einer zinnenbekrönten Halbzylinderkachel. Die Zinnenwehr war als Balustrade gestaltet, auf der in regelmäßigen Abständen hohe Rechteckfelder aufgesetzt waren. Zinnenbesetzte Kranzkacheln bildeten den oberen Abschluß eines Ofens. Ihre Form entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Vorform bildeten Kranzkacheln mit getrepptem Giebelfeld. Auch das Sinsheimer Stück kann der Frühphase reliefverzierter Ofenkeramik zugewiesen werden, die in Anlehnung an einen hessischen Fundort als Typus Tannenberg bezeichnet wird. Getreppte Giebelfelder, krabbenbesetzte Wimperge und Zinnenwehren bestätigen, daß man bereits mit dem Aufkommen reliefverzierter Kacheln den Ofen als eigenständiges Bauwerk auffaßte. Schon die Frühformen wurde mit floralen und geometrischen Ornamenten, sowie durch schemenhafte Andeutungen von Wächtern belebt. Im 15. Jahrhundert sind zahlreiche zinnenbesetzte Nischenkacheln nachweisbar. In der Spätgotik schuf man eigenständige Bekrönungskacheln in Zinnenform. Sie konnten mit Türmchen, Wächtern und Liebespaaren bereichert werden.

Ein spätgotischer Wappenhalter

Mit der Übernahme heraldischer Motive auf Werke der Alltagskunst kam es zur Ausbildung von Kranzkacheln mit wappenhaltenden Engeln. Von einer solchen Kachel hat sich in Sinsheim die untere Hälfte eines querrechteckigen, ausschwingenden Bildfeldes erhalten.28 Das Bildfeld ist durch eine langgestreckte, röhrenförmige Zarge mit dem Ofenkörper verbunden. Die leicht nach oben ausschwingende Vorderseite setzt sich durch eine einfach getreppte Leiste von Ofenkörper ab. Man erkennt zwei einander zugeneigte, halbrunde Wappenschilde. Auf ihnen sind in gotischen Minuskeln die Buchstaben h und a angeordnet. Das heraldische Motiv dürfte sich auf den Auftraggeber des Ofens beziehen. Die Schilde werden von einem Engel gehalten. Er ist mit einem Hemd bekleidet, dessen Oberfläche von scharfkantigen, mehrfach gebrochenen Faltenbahnen gegliedert ist. Sie bilden einen deutlichen Kontrast zu den weitgehend glatt belassenen Wappenschilden. Zur Bekleidung gehört auch der von Parallelfalten belebte Rock unterhalb der Wappenschilde. Bei vergleichbaren Gesimskacheln fungierten in erster Linie Engel als Wappenhalter, deren Vorbilder auf Holzschnitte der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zurückgehen. Kacheln dieser Art haben sich vornehmlich am Oberrhein und in der Nordschweiz in mannigfachen Abwandlungen erhalten (Taf. 4.2). Das vortretende Relief, sowie die insgesamt sehr kantige Darstellungsweise ermöglichen eine Zuweisung des Sinsheimer Stücks in den oberrheinischen Formenkreis.29 Das Bildthema erlaubte zahlreiche Varianten des heraldischen Themas, das von der Einbindung eines Schriftbandes bis zum ungleichen Liebespaar als Wappenhalter reicht.

Ein barocker Puttenkopf

Es fällt zumindest auf den ersten Blick schwer, eine barocke, puttenkopfbesetzte Gesimskachel30 in Verbindung mit dem spätgotischen Wappenhalter zu bringen. Dazu muß man renaissancezeitliche Bestrebungen berücksichtigen, in deren Verlauf der Ofen als ein in sich stimmiges Architekturgehäuse der zeitgenössischen Architektur angeglichen wurde. Der obere Ofenabschluß setzte sich nun aus Gesimskacheln mit dekorierter Frieszone und Akanthusblattband zusammen. Im Barock griff man das traditionelle Wappenhaltermotiv wieder auf und entwickelte in Anlehnung an den Maskenbesatz renaissancezeitlicher Frieszonen und unter Einbeziehung der zeitgenössischen Formensprache das Engelskopfdekor, das jedoch nur im Sinne einer Aneinanderreihung ornamentaler Versatzstücke ausgebildet ist.
Die Sinsheimer Gesimskachel mit Puttendekor wurde schon frühzeitig als Bodenfund mit Hilfe einer Bindfadenmontierung auf Pappkarton für eine museale Präsentation aufbereitet. Sie läßt sich mit einer etwa gleichzeitigen Montierung von Kacheln aus der Burg Schmalenstein im Pfinzgaumuseum in Durlach vergleichen, bei der man die Kachelfragmente mit Nägeln auf einer Holzplatte fixierte. Das braun glasierte, leicht nach vorne ausschwingende Bildfeld mit einem geflügelten Engelskopf ist in vier Teile zerbrochen. Der pausbäckige Kopf mit welligem Haar wird von gefiederten Schwingen gerahmt. Ihrem Verlauf folgt eine mit lanzettförmigen Lorbeerblättern besetzte Girlande. In der Mitte geben die Blätter den Blick auf einen querovalen, mit Punktbuckeln besetzten Bereich frei, bei dem es sich um eine ornamentale Interpretation des Fruchtstandes handeln dürfte. Die Enden der Girlande sind an einem Ring montiert. An diesem hängen zudem quastenbesetzte Kordeln. Sie schließen als leicht gewellte, senkrechte Linien das Bildfeld zu beiden Seiten ab. Die engelskopfbesetzte Kachel findet ihre Entsprechungen in Bad Wimpfen, Bretten, Ettlingen (Taf. 4.5), Heilbronn, Hirsau und Neudenau.31 Die den übereinstimmenden Bildfeldenr stellt sich die Frage nach der Verbreitung des Motivs. Vergleichbare Dekorzonen finden sich in zahlreichen Variationen vorrangig in den von der Gegenreformation bestimmten Gegenden Süddeutschlands.32 Die vorliegende Gestaltung läßt sich bislang auf den Kraichgau und auf umliegende Regionen beschränken. Ein Modelfund belegt zumindest für Ettlingen eine Fabrikation entsprechender Kacheln. Die vorgestellten puttenkopfbesetzten Barockkacheln gliedern sich bei übereinstimmenden Bildfeldern mit Hilfe ihrer Proportionen in zwei Gruppen.33 Die auffallenden Maßunterschiede mit einer Breitenabweichung von mehr als fünf Zentimetern werfen ein Schlaglicht auf den Werkstattbetrieb einer barocken Hafnerei. Die weitläufige Verbreitung gleichartiger Ausformungen läßt sich nur unter Vorbehalt durch den Export von Erzeugnissen einer Töpferwerkstatt erklären. Zudem räumten restriktive Hafnerordnungen den ortsansässigen Handwerkern eine weitgehende Monopolstellung ein. Andererseits sprechen die teilweise beachtlich kunstfertigen Erzeugnisse im Umfeld von eher mittelmäßigen Hafnereien, sowie die stellenweise deckungsgleiche Produktpalette gegen eine ausschließliche Fertigung der Vorlagen durch ansässige Hafner. Die anspruchsvolleren Motive wurden vielmehr durch Modelschneider von graphischen Vorlagen in ein Relief umgesetzt. Diese belieferten überregionale Märkte, wie sie in Frankfurt a. M., Heidelberg, Speyer oder Straßburg abgehalten wurden. Solche Negativformen dürften einen entsprechend hohen Marktwert besessen haben, der seinen Niederschlag in der Wertschätzung der Model als wesentlicher Bestand einer Hafnerei fand. Am Beispiel der Töpferei im Bereich der ehemaligen Markthalle in Ettlingen kann man erkennen, daß von Abformungen der teuer erworbenen Model ihrerseits eine Negativform gefertigt wurde. Ob die Abformungen zur besseren Rentabilität vom Käufer des Models selbst hergestellt wurden, entzieht sich dem bisherigen Kenntnisstand. Beim Abformen kam es zu einem zweimaligen Substanzschwund. Zudem verschlechterte sich die Binnenstruktur des Relief erheblich. Die etwas unbeholfen wirkenden Nacharbeitungen konnten dem wenig entgegensetzen.

Fazit

Die Kachelfragmente aus den Sammlungen des Sinsheimer Heimatmuseums zeugen von der Darstellungsfreude und von der Ideenvielfalt des südwestdeutschen Hafnerhandwerks. Ihre Bildersprache sollte gleichermaßen als Lehr- und Präsentationsobjekt dienen. Zudem ermöglicht sie weitreichende Rückschlüsse auf die Geisteshaltung ihres Auftraggebers. Somit erhalten die Reliefs den Charakter einer Urkunde, um deren Lesbarkeit sich Archäologen, Keramikforscher, Kunsthistoriker und Volkskundler bemühen. Bis auf wenige Ausnahmen kennen wir weder den Modelschneider, noch den kunstfertigen Hafner, der mit der Schöpfung dieser Kleinkunstwerke betraut war. Durch die Hinzuziehung von Parallelbeispielen ist es jedoch möglich, Rückschlüsse auf das ursprüngliche Aussehen, die Vorlagen und die Verbreitung, sowie auf die Wandlung von Motiven zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert zu ziehen. Vor dem Hintergrund einer annähernd vierhundertjährigen Ofentradition mag man ermessen, welche Mengen an Kacheln noch als Bodenfund erwartet werden können. Dies um so mehr, da der keramische Grundstoff in Übereinstimmung mit der Gefäßkeramik eine Wiederverwertung ausschließt. Dagegen muten die Bestände in den regionalen Sammlungen auffallend klein an. Derzeit vermindert sich der noch im Boden lagernde Bestand durch zahlreiche innerstädtische Baumaßnahmen, besonders durch die Schließung der letzten kriegsbedingten Baulücken. Hinzu kommt, daß die Mehrzahl der Kacheln bei Haussanierungen in der Auffüllung über Gewölben oder direkt unter dem Dielenfußboden gefunden wird, also in Bereichen, die meist von vornherein aus archäologischen Maßnahmen ausgespart bleiben. Die Ergebnisse baubegleitender Untersuchungen in Durlach und Ettlingen34 zeigen, welche Fülle an Informationen dabei jedes Jahr verlorengeht.

Fragment einer zinnengekrönten Kranzkachel mit durchbrochenem Halbzylinder vom Typ Tannenberg, grün glasiert, Ende 14. Jh., H. 4,2 cm, Br. 4,2cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer zinnengekrönten Kranzkachel mit durchbrochenem Halbzylinder vom Typ Tannenberg
grün glasiert, Ende 14. Jh., H. 4,2 cm, Br. 4,2cm

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer zinnengekrönten Kranzkachel mit durchbrochenem Halbzylinder vom Typ Tannenberg, grün glasiert, Ende 14. Jh., H. 4,2 cm, Br. 4,2cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Kranzkachel mit wappenschildhaltendem Engel, grün glasiert, 2. Hälfte 15. Jh., H. 8,0 cm, Br. 14,5cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Kranzkachel mit wappenschildhaltendem Engel
grün glasiert, 2. Hälfte 15. Jh., H. 8,0 cm, Br. 14,5cm

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Kranzkachel mit wappenschildhaltendem Engel, grün glasiert, 2. Hälfte 15. Jh., H. 8,0 cm, Br. 14,5cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Nischenkachel mit geschlossenem Halbzylinder mit zweiteiliger Verkündigungsszene vom Typ 2 mit Maria, grün und gelb glasiert, Mitte 15.Jh., H. 8,4 cm, Br. 6,0 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Nischenkachel mit geschlossenem Halbzylinder mit zweiteiliger Verkündigungsszene vom Typ 2 mit Maria
grün und gelb glasiert, Mitte 15.Jh., H. 8,4 cm, Br. 6,0 cm

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Nischenkachel mit geschlossenem Halbzylinder mit zweiteiliger Verkündigungsszene vom Typ 2 mit Maria, grün und gelb glasiert, Mitte 15.Jh., H. 8,4 cm, Br. 6,0 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit der Allegorie des Monats März nach Jost Amman, graphitiert, um 1600, H. 12,0 cm, Br. 7,5 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit der Allegorie des Monats März nach Jost Amman
graphitiert, um 1600, H. 12,0 cm, Br. 7,5 cm

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit der Allegorie des Monats März nach Jost Amman, graphitiert, um 1600, H. 12,0 cm, Br. 7,5 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit der Allegorie des Monats März nach Jost Amman, graphitiert, um 1600, H. 12,0 cm, Br. 7,5 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit der Allegorie des Monats März nach Jost Amman
graphitiert, um 1600, H. 12,0 cm, Br. 7,5 cm

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit der Allegorie des Monats März nach Jost Amman, graphitiert, um 1600, H. 12,0 cm, Br. 7,5 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel aus der Serie der sieben freien Künste nach Georg Pencz mit der Allegorie der Astrologie in einem Rahmen mit Muschelwerk haltenden Putten in den Zwickeln (Typ 1), grün glasiert, letztes Drittel 16. Jh., H. 5,5, cm, Br. 6,5 cm Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel aus der Serie der sieben freien Künste nach Georg Pencz mit der Allegorie der Astrologie in einem Rahmen mit Muschelwerk haltenden Putten in den Zwickeln (Typ 1)
grün glasiert, letztes Drittel 16. Jh., H. 5,5, cm, Br. 6,5 cm

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel aus der Serie der sieben freien Künste nach Georg Pencz mit der Allegorie der Astrologie in einem Rahmen mit Muschelwerk haltenden Putten in den Zwickeln (Typ 1), grün glasiert, letztes Drittel 16. Jh., H. 5,5, cm, Br. 6,5 cm Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment des Rahmens einer Blattkachel aus der Serie der sieben freien Künste nach Georg Pencz mit der Allegorie der Astrologie in einem Rahmen sitzenden Löwen in den Zwickeln (Typ 2), grün glasiert, letztes Drittel 16. Jh., Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment des Rahmens einer Blattkachel aus der Serie der sieben freien Künste nach Georg Pencz mit der Allegorie der Astrologie in einem Rahmen sitzenden Löwen in den Zwickeln (Typ 2)
grün glasiert, letztes Drittel 16. Jh.

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment des Rahmens einer Blattkachel aus der Serie der sieben freien Künste nach Georg Pencz mit der Allegorie der Astrologie in einem Rahmen sitzenden Löwen in den Zwickeln (Typ 2), grün glasiert, letztes Drittel 16. Jh., Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Notenköpfen vor geroiffeltem Hintergrund, dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh., Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Notenköpfen vor geroiffeltem Hintergrund
dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh.

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Notenköpfen vor geroiffeltem Hintergrund, dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh., Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer über Eck geführten Blattkachel mit der Allegorie des Geruchs aus der Serie der sitzenden Sinne, dunkelbraun glasiert, Mitte 17. Jh., H. 19,8 cm; Br. 8,5cm, T. 8,8 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer über Eck geführten Blattkachel mit der Allegorie des Geruchs aus der Serie der sitzenden Sinne
dunkelbraun glasiert, Mitte 17. Jh., H. 19,8 cm; Br. 8,5cm, T. 8,8 cm

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer über Eck geführten Blattkachel mit der Allegorie des Geruchs aus der Serie der sitzenden Sinne, dunkelbraun glasiert, Mitte 17. Jh., H. 19,8 cm; Br. 8,5cm, T. 8,8 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Gesimskachel mit geflügeltem Puttenkopf zwischen lorbeerblattbesetztem Feston, dunkelbraun glasiert, um 1650, H. 12,0 cm, Br. 15,0 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Gesimskachel mit geflügeltem Puttenkopf zwischen lorbeerblattbesetztem Feston
dunkelbraun glasiert, um 1650, H. 12,0 cm, Br. 15,0 cm

Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum
Fragment einer Gesimskachel mit geflügeltem Puttenkopf zwischen lorbeerblattbesetztem Feston, dunkelbraun glasiert, um 1650, H. 12,0 cm, Br. 15,0 cm, Sinsheim, Stadt- und Freiheitsmuseum

Weiterführende Literatur:

Dorothee Ade-Rademacher u. Susanne Mück, Mach Krueg, Haeffen, Kachel und Scherbe. Funde aus einer Ravensburger Hafnerwerkstatt vom 16. bis 19. Jahrhundert (Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 11), Stuttgart 1989.
Sibylle Appuhn-Radtke, Eva Kayser, Keramik, in: Irmela Franzke (Hg.), Die Renaissance im deutschen Südwesten zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg. Badisches Landesmuseum Karlsruhe . Eine Ausstellung des Landes Baden-Württemberg im Heidelberger Schloß, 21. Juni bis 19. Oktober 1986, Karlsruhe 1986, S. 845–884.
Ludwig Döry, Keramika. Frankfurt als Herstellungsort und Markt für keramische Erzeugnisse im 16. und 17. Jahrhundert. Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt am Main, Frühjahr 1978, (Kleine Schriften des Historischen Museums) Frankfurt am Main 1978.
Rosemarie Franz, Der Kachelofen. Entstehung und kunstgeschichtliche Entwicklung vom Mittelalter bis zum Ausgang des Klassizismus (Forschungen und Berichte des Kunsthistorischen Institutes der Universität Graz 1), 2Graz 1981.
Eva Heller-Karneth u. Harald Rosmanitz, Alzeyer Kachelkunst der Renaissance und des Barock, Alzey 1990.
Dietrich Lutz, Ofenkacheln aus Heilbronn und Umgebung, Heilbronn 1973.
Dietrich Lutz u. Egon Schallmayer, 1200 Jahre Ettlingen. Archäologie einer Stadt. Begleitheft zur Ausstellung (Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 4), Weinsberg 1988.
Dietrich Lutz (Hg.), Vor dem großen Brand. Archäologie zu Füßen des Heidelberger Schlosses, Stuttgart 1992.
Cord Meckseper (Hg.), Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150 – 1650, Stuttgart-Bad Cannstatt 1985.
Jean-Paul Minne, La céramique de poele de l’alsace médievale, Strasbourg 1977.
Hans-Martin Pillin, Kleinode der Gotik und Renaissance. Die neuentdeckten Ofenkacheln der Burg Bosenstein aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, Kehl 1990.
Lothar Späth, Kachelöfen auf der Burg Hohenschramberg, in: D´Kräz. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg 2 (1982) S. 32-42.
Sophie Stelzle, Ein Renaissancekachelofen aus der Wüstung Eichberghöfe bei Emmendingen. Untersuchung zu einer alttestamentarischen Figurenserie, masch. Magisterarbeit, Freiburg i. Br. 1992.
Konrad Strauss, Die Kachelkunst des 15. und 16. Jahrhunderts in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Skandinavien. II. Teil, Basel 1973.
Konrad Strauss, Die Kachelkunst des 15. bis 17. Jahrhunderts in europäischen Ländern. Teil III, München 1983.
Walter L. Strauss (Hg.), The illustrated Bartsch, Vol. 20 (Part 1), formerly Vol. 9 (Part 3): German Masters of the sixteenth century. Jost Amman. Intiglio Prints and Woodcuts, hrsg. von Jane S. Peters, New York 1985.Christa Svoboda, Alt-Salzburger Hafnerkunst. Model und Kacheln des 16. bis 18. Jahrhunderts aus der Strobl-Werkstatt, Salzburg 1981.
Ingeborg Unger, Kölner Ofenkacheln. Die Bestände des Museums für Angewandte Kunst und des Kölnischen Stadtmuseums, Köln 1988.
J. Weihrauch u. Dietrich Lutz, Fundchronik. Neudenau (Lkr. Heilbronn), in: Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg 6 (1979) S. 267-268 u. S. 312-318, Abb. 44-50.

*Harald Rosmanitz, Kacheln aus dem Heimatmuseum Sinsheim. Überlegungen zur Bildersprache und Formenvielfalt reliefierter Ofenkeramik im Kraichgau, in: Kraichgau. Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung (1993), S. 223–240 (überarbeitet 2015).

  1. Der Verfasser dankt dem Museumsleiter von Sinsheim, Herrn Friedrich, für die freundliche Unterstützung. Im Heimatmuseum Sinsheim konnten 119 Einzelstücke erfaßt werden. Sie lassen sich in 95 zum Teil stark zerscherbte Fragmente, 7 weitgehend erhaltene und 12 ganze Kacheln unterteilen. Hinzu kommen 5 Model.
  2. Lutz 1973.
  3. Lutz 1973, 8-18; Kat. Heidelberg 1986, 845-852; Lutz/Schallmayer 1988, 87-89; Heller-Karneth/Rosmanitz 1990, 12-17.
  4. Sinsheim, Museum (H. noch 8,4 cm, Br. noch 6,0 cm, T. noch 1,5 cm).
  5. Minne 1977, 302-304, Kat. Nr. 226; Unger 1988, 88-89, Kat.Nr. 57; Pillin 1990, 36-37, Kat.Nr. 4. Weiter Stücke werden der Gruppe der Erfurter Öfen zugewiesen (Strauss 1972, Taf. 40.2, Taf. 43).
  6. Pillin 1990, 34-35, Kat.Nr. 3.
  7. Minne bezeichnet die Person als Jesaia (Minnen 1977, 302).
  8. Pillin 1990, 36.
  9. Sinsheim, Museum (H. noch 12,0 cm; Br. noch 7,5 cm; T. noch 2,0 cm).
  10. Katalog Frankfurt 1978, 27, Kat.Nr. 245; Stelzle 1992, 93-95.
  11. Die Radierungen wurden als Hochoval mit einem Durchmesser von 8,8 cm x 6,0 cm ausgeführt (Bartsch 1985, 31-36, Kat.r. 3.1-3.12 (354)).
  12. Sinsheim, Museum (H. 16,0 cm; Br. 13,5 cm; T. 5,0 cm).
  13. Späth 1982, 38-39.
  14. Die Breite der Zwickelfüllungen beträgt beim Sinsheimer Model 7,1 cm, bei den Ettlinger und Durlacher Kacheln 6,5 cm und auf der Kachel von Schloß Schramberg 7,0 cm. Das Maßverhältnis zwischen dem Model und den Durlacher und Ettlinger Ausformungen beträgt 91,5 Prozent. Demnach hätte man mit Hilfe des Sinsheimer Model die Durlacher Stücke anfertigen können (vgl. Franz 1981, 13; Heller-Karneth/Rosmanitz 1990, 15-17). Es ist jedoch wahrscheinlicher, daß einem ortsansässigen Hafner in Ettlingen und Sinsheim ein Model zur Verfügung stand, das von der selben Patrize abgenommen wurde.
  15. Sinsheim, Museum (Schmalseite: H. 19,5 cm; Br. 8,8 cm / Hauptbildfeld: H. 19,5 cm, Br. noch 8,5 cm von urspr. 19,0 cm).
  16. Franz 1981, Abb. 650-652; Svoboda 1981, 72, Kat.Nr. 118, Abb. 88.
  17. Vgl. Heller-Karneth/Rosmanitz 1990, 56, Anm. 43.
  18. Bartsch 1985, 43-44, Kat.Nr. 5.0 (355) – 5.5 (355).
  19. Franz 1981, 129-131, 212, Abb. 436; Strauss 1983, 140, Taf. 163.1; Heller-Karneth/Rosmanitz 1990, 55-56, Kat.Nr. 44.
  20. Strauss 1972, Taf. 162.6; Lutz 1973, 130-131, Kat.Nr. 54.
  21. Ade-Rademacher/Mück 1989, 22-23, Abb. 16-18.
  22. Sinsheim, Museum (H. noch 5,5 cm; Br. noch 6,2 cm; T. noch 0,8 cm).
  23. Kat. Braunschweig 1985, 593-594, Kat.Nr. 506.
  24. Franz 1981, Abb. 262; Ade-Rademacher/Mück 1989, 17, Abb. 5-6.
  25. Zit. Franz 1981, 89
  26. Unger 1988, 122-128; Kat. Heidelberg 1992, 80-81.
  27. Sinsheim, Museum (H. noch 4,2 cm; Br. noch 4,2 cm, T. noch 1,2 cm).
  28. Sinsheim, Museum (H. noch 8,0 cm, Br. 14,5 cm, T. 11,0 cm).
  29. Minne 1977, 194, Kat.Nr. 127, 197-198, Kat. Nr.129-130, 270-273, Kat.Nr. 198-203.
  30. Sinsheim, Museum (H. 12,0 cm; Br. noch 15,0 cm von urspr. 20,0 cm; T. noch 3,0 cm).
  31. Lutz 1973, 68-69, Kat.Nr. 23; Weihrauch/Lutz 1979, 268, 317, Abb. 49.
  32. Vgl. Heller-Karneth/Rosmanitz 1990, 38, Kat.Nr. 23.
  33. Die Ausformungen aus Ettlingen, Neudenau und Sinsheim weisen jeweils eine Gesamtbreite von 20, 0 cm auf. Die Kacheln in Bad Wimpfen, Bretten, Heilbronn und Hirsau sind nur 15, 5 cm breit.
  34. Lutz/Schallmayer 1988, 89.