Rezension Ose 2013

Ieva Ose, Turaidas pils 16.-18.gadsimta krāsns keramika. [Stove Tile Ceramics of the Turaida Castle, 16th-18th centuries]. Tureidas 2013

Ivea Ose, Turaidas muzejrezervāts., Latvijas vēstures institūta apgāds (Stove Tile Ceramics of theTuraidaCastle, 16th-18th centuries), Latvijas vēstures institūta apgāds, Tureidas 2013. ISBN 978-9984-824-32-1

Rezension Ose 2013In der im Jahre 2013 erschienen Publikation stellt die Autorin, die lettische Historikerin Ieva Ose Ofenkeramiken des 16. bis 18. Jahrhunderts aus den Sammlungen des Museums in Turaida vor. Wie der englischsprachigen Zusammenfassung des in lettischer Sprache verfassten Textes zu entnehmen ist (S. 30-32) handelt es sich bei der Sammlung um die größte Kollektion ihrer Art in Lettland. Ein Gutteil der Stücke wurde am Ende des 20. Jahrhunderts bei Grabungen in der dortigen Burg zutage gefördert. Dem mit zahlreichen Fußnoten versehenen und klar stukturierten Einführungstext (S. 9-29) folgte die Vorstellung einzelner Fragment (S. 33-105). Den Abschluss der Publikation bildet die chemische Analyse von fünf ausgewählten Stücken durch die Technische Universität Riga (S. 106-111). Leider war es der Autorin nicht möglich, im Rahmen des handlichen und sehr übersichtlich chronologisch strukturierten Katalogteils im Detail auf die einzelnen Stücke einzugehen. Vieles hat diese bereits in einem ihrer zahlreichen, seit 1986 erschienenen Aufsätze und Monographien zum Thema umfassend dargelegt. Als Nahtstelle hätte man sich in vorliegendem Werk allerdings den einen oder anderen Literaturverweis im Nachgang der jeweiligen Kurzbeschreibungen gewünscht. Ieva Ose betont bereits in ihrer Einführung, dass die Stücke in ganz unterschiedlichen Erhaltungszuständen geborgen wurden. Der Katalogteil wird dem insofern gerecht, dass lediglich besonders aussagekräftigen Stücken Schnitt- oder Umzeichnungen zur Seite gestellt wurden. Lediglich in einem Fall (S. 37, Kat. Nr. 6) würde ein Detail der Unterseite fotografisch abgebildet. Auf eine optische Darstellung der Rückseiten verzichtete man vollständig. Die redaktionelle Sorgfalt zeigt sich an den komplett farbig wiedergegebenen, freigestellten und vor weißen Hintergrund gestellten Einzelstücken. Deren Dimensionierung kann anhand des beigegeben Maßstabs optisch nachvollzogen werden. Als Ergänzung dazu verstehen sich die Maßangaben in der jeweiligen Kurzbeschreibung (dort Punkt 4).

Ivea Ose ist es auch in der vorliegenden Monografie gelungen, eine Vielzahl unterschiedlicher Ofenkeramiken, 175 an der Zahl, einer interessierten Leserschaft vorzustellen. Hauptaugenmerk lag in der auszugsweisen Vorlage des Sammlungsbestandes des Museums in Turaida. Eine Verschränkung des Materials mit Ofenkeramiken der benachbarten baltischen Staaten oder gar des gesamten Handelsraumes Ostsee war an dieser Stelle nicht geplant oder gewünscht. Dass sich die Autorin darüber bereits weit im Vorfeld Gedanken gemacht hat, zeigt sich beispielsweise an ihrer 2012 erschienenen Abhandlung zur Serie der sitzenden Evangelisten nach Chryspin de Passe (S. 81f, Kat. 106f).1 Hervorzuheben ist auch die Fortschreibung der Vorstellung archäologischer Materialien bis ans Ende des 18. Jahrhunderts.

Das kleine Büchlein wirft ein weiteres Schlaglicht auf die Rolle Lettlands als Konsument in einem von Ostseehandel nachhaltig beeinflussten Wirtschaftsraum, wie ihn bereits David Gaimster und Krisi Majantie in ihren Arbeiten angedeutet haben.2 Mit ihren konsequent über viele Jahre fortgeführten Forschungen haben Krisi Majantie und Ieva Ose eine „Kachelregion“ im hohen Norden erschlossen, mit der sich davor lediglich Konrad Strauss in einer 1966 erschienene Abhandlung intensiv beschäftigen durfte.3

© Harald Rosmanitz, Partenstein 2013

  1. Ose, Ieva (2012): Einige Anmerkungen zum Einfluss niederländischer Gravüren auf die Verzierung der Ofenkeramik im Ostseeraum am Anfang des 17. Jahrhunderts. In: Baltic Journal of Art History , S. 143–166
  2. Gaimster, David R. (2001): Handel und Produktion von Ofenkacheln im Ostseegebiet von 1450 bis 1600. Ein kurzer Überblick. In: Manfred Schneider (Hg.): Von der Feuerstelle zum Kachelofen. Heizanlagen und Ofenkeramik vom Mittelalter bis zur Neuzeit; Beiträge des 3. wissenschaftlichen Kolloquiums Stralsund 9. – 11. Dezember 1999. Stralsund: Kulturhistorisches Museum (Stralsunder Beiträge zur Archäologie, Geschichte, Kunst und Volkskunde in Vorpommern, 3), S. 165–178; Majantie, Kirsi (Hg.) (2007): Ruukkuja ja ruhtinaita. Pots and princes = Fat och furstar : Saviastioita ja uunikaakeleita ajalta 1400-1700 = Ceramic vessels and stove tiles from 1400-1700 = Lerkärl och ugnskakel fråm 1400-1700. Turku: Aboa Vetus & Ars Nova (Archaeologia Medii aevi finlandiae, 12).)
  3. Strauss, Konrad (1966): Kachelkunst in Alt-Livland. In: Keramik-Freunde der Schweiz. Mitteilungsblatt 71, S. 3–6.