Rezension Pospieszna 2013

Barbara Pospieszna, Kafle i piece kaflowe w zbiorach Muzeum Zamkowego w Malborku [Kacheln und Kachelöfen in den Sammlungen des Schlossmuseums Marienburg], Malborku 2013

UntitledDie Beschäftigung mit reliefierter Ofenkeramik kann in Polen auf eine lange Tradition zurückblicken. Maßgeblich für die Forschungen der letzten Jahrzehnte waren neben den Arbeiten der Autorin die meist monographischen Abhandlungen von Maria Dąbrowska, Elźbieta Kilarska, Maciej Kilarski und Maria Piątkiewicz-Dereniowa.1

Mit dem vorliegenden, 508 Seiten starken Oeuvre schließt Barbara Pospieszna eine Forschungslücke. Die vollständige Materialvorlage der in Ausschnitten von ihr seit 1993 in verschiedenen Einzelabhandlungen vorgelegten Beständen der im Schlossmuseum Marienburg aufbewahrten Ofenkacheln überzeugt bereits auf den ersten Blick durch die Layout- und Druckqualität der durchweg farbig gehaltenen Monographie. Schon im Buchtitel wird deutlich, dass das Ganze von vorne herein zweisprachig angelegt ist. Durch die einseitige Überwindung der Sprachbarriere ist die Abhandlung damit auch deutschsprachigen Kachelforschern leicht zugänglich. Auf den paritätisch zweisprachigen Ansatz wird zumindest auf den ersten fünfzig Seiten des Textteils größter Wert gelegt. Im sich daran anschließenden Katalogteil ist der deutschsprachige Leser auf die Rückschlüsse angewiesen, welche sich für ihn in erster Linie aus der Betrachtung der Bilder ergeben. Unerwartet beginnt die Monographie mit einer detaillierten Forschungsgeschichte, welche in vorliegendem Fall mit der Sammlungsgeschichte des Marienburger Museums gleichgesetzt werden kann. Über einen Zeitraum von hundert Jahren und damit annähernd über drei Forschergenerationen hinweg wird – ohne auf die polnisch-deutsche Polemik einzugehen – die unterschiedliche Herangehensweise an die Materialgruppe vorbildlich beschrieben und mit sehr aussagekräftigen Abbildungen unterlegt. Darüber hinaus erfahren wir im Detail, aus welchen einzelnen Bezugsquellen die Kollektion dieses für eine große Gebietskulisse zuständigen Museums seine Objekte bezog.

Darauf nimmt auch der Katalog Rücksicht, gliedert er doch das dort chronologisch vorgestellte Material in drei Gruppen: in die vor Ort aufgefundenen Stück, in die in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts neu erworbenen Stücke sowie in jene Ofenkeramiken, deren Herkunft nicht mehr zu ermitteln ist. Diese Gruppierung macht aus Sicht einer die Sammlung kuratierenden Wissenschaftlerin durchaus Sinn. Ein Außenstehender empfindet den so zustande kommenden zweifachen Versatz in der chronologischen Reihung primär als störend, muss er sich diese doch durch die Parallellektüre von gleich drei Katalogteilen erarbeiten.

Dies ist einer von ganz wenigen Stolpersteinen in einer ansonsten durchweg überzeugenden, facettenreichen Darstellung. Vorbildhaft wurde ein Gutteil der Stücke meist in zwei aussagekräftigen Ansichten wiedergegeben. Sie entbinden zusammen mit standardisierten Maßangaben die Autorin davon, jeder Kachel eine Schnittzeichnung beizugeben. Die gründliche, jahrelange Recherche, welche der Publikation vorausging, erlaubt es, die Einzelstücke in einen umfangreichen Kontext zu setzten, in dem konsequenterweise das polnische Vergleichsmaterial dominiert. Dass die Katalogredaktion in den Händen einer Kunsthistorikerin lag, erkennt man an den zahlreichen Gemälden und Druckgraphiken, die als Vergleichsabbildungen den Kachelfragmenten beigefügt wurden. Oft handelt es sich dabei weniger um die exakten Vorlagen sondern um das ikonographische Milieu, dem das Einzelstück zugeordnet werden kann. Manchmal schießt Barbara Pospieszna hier über das Ziel hinaus. So ist auf der Kachel 136 (S.138) eine Frau mit spanischer Hoftracht mit straußenfederbesetztem Fächer zu erkennen. Diese wird ohne erkennbare Attribute, Heraldik oder Inschrift als Elisabeth I. von England identifiziert.

Bei der Vorstellung der Museumsbestände wird auch den Kacheln der letzten drei Jahrhunderte großer Stellenwert zugemessen. Besonders hervorzuheben ist der Katalog der in die Kachelrückseiten eingeprägten Firmenstempel (S. 465-481). Vergleichbares dazu gibt es bislang lediglich bei Steffen Förster.2

Neben dem Katalog zu der in Meißen tätigen Teichert-Werkstatt wird die Monographie so zu einem unentbehrlichen Nachschlagwerk für all jene, die bislang erfolglos den Versuch unternommen haben, ihre historistischen Öfen oder Kacheln in einen größeren Kontext zu stellen.

Umfangreiche Literaturverweise runden die gelungene Materialvorstellung ab. Bereits in der zweibändigen Monographie von Rudolf Schnyder (Mittelalterliche Ofenkeramik, Zürich 2011) konnte man in meisterhaft inszenierten Kunstwerken schwelgen. Der Katalog von Barbara Pospieszna knüpft mit ihrer gelungenen und leicht erschließbaren Materialvorlage nahtlos an das Schweizerische Werk an. Sie setzt durch ihre in jeder Hinsicht fundierte Fachkenntnis dem ganzen noch ein i-Tüpfelchen auf.

Bravo!

© Harald Rosmanitz, Partenstein 2014

  1. Eine zusammenfassende Übersicht findet sich unter http://www.kafle.iaepan.edu.pl/
  2. Steffen Förster, Die Fabrikmarken der Meißner Ofenfabriken zwischen ca. 1880 und 1945 im Überblick. In: Hans-Jörg Neumann und Steffen Förster (Hg.): Teichert, Somag & “Saxonia”. Vor 135 Jahren wurde die erste Ofenfabrik in Meißen gegründet ;. [Beiträge zur Geschichte der Keramikproduktion in Meißen und Ausstellungskatalog ; Begleitheft zur gleichnamigen Sonderausstellung]. Meißen 1998 (Schriftenreihe. Stadtmuseum Meißen, 1), S. 40–44.