FurnArch oder die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen

In den letzten Jahrzehnten wurden im mitteleuropäischen Raum zahlreiche Publikationen über historische Ofenkacheln verfaßt. Meist stellt diese Materialgruppe jedoch nur einen randlichen Aspekt dar, der nur in den seltensten Fällen zu einer sinnvollen statistischen und chronologischen Auswertungen führte. Oft stand in den Ausarbeitung der lokalhistorische Kontext im Vordergrund. Gleichzeitig ist aber das Fundmaterial – insbesondere das unpublizierte – so zahlreich und vielfältig, dass eine Komplettaufnahme schlichtweg unmöglich erscheint.

Materialerfassungen im Rahmen der Erstellung von FurnArch. Stand Februar 2015. Karte: J. Jung, Spessart-GISFurnArch versteht sich als bundesländerübergreifende Datenbank zur Erfassung mittelalterlicher und neuzeitlicher Bestände reliefierte Ofenkeramiken in Süddeutschland und den Anrainernregionen. Die in der Datei erfassten Objekte stammen aus Depots und Sammlungen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Anrainerregionen wie Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt finden partiell ebenso Berücksichtigung wie ausgewählte Sammlungen im Elsaß, der Schweiz und in Österreich. Um den Stücken im Hinblick auf ihre kleinräumige Verbreitung eine gewisse Basis zu geben, wurden mit der Komplettaufnahme der Bestände in Unterfranken, in Ettlingen, Heidelberg, Karlsruhe-Durlach und Mannheim kleinräumige Schwerpunkte geschaffen. Forschungsschwerpunkte  der letzten Jahre bildete die Südpfalz und Südthüringen.

FurnArch beschränkt sich auf die Sichtung von Ofenkeramik vom 14. Jahrhundert bis etwa um 1800. In Einzelfällen scheint eine Erweiterung des Zeitrahmens nach unten und oben sinnvoll.

FurnArch bietet einerseits die Möglichkeit des raschen Zugriffs zur Bestandsübersicht, insbesondere der meist nur schwer zugänglichen und schlecht erschlossenen Bestände aus archäologischem Kontext. Andererseits ist FurnArch über gemeinsame Begriffshierarchien in der Lage, beständeübergreifend Auskünfte zu Motiven und Techniken zu Objekten zu liefern. Damit lassen sich von einem Fragment ausgehen Rückschlüsse auf das ursprüngliche Aussehen des Einzelstücks, seine Einbindung in eine Bilderfolge und möglicherweise sogar auf die ursprüngliche Gestalt des Ofenkörpers schließen. Durch die Vernetzung mit ähnlichen Stücken werden Verbreitungsgebiete deutlich.

FurnArch ist und bleit auch auf lange Sicht im Aufbau. Derzeit (Stand Februat 2015) sind 56.350 Datensätze in Text und Bild eingegeben. Für diese Datensätze sind auch die Maße, Fundortangaben und die Provenienz abrufbar. Eine der Ausbaumöglichkeiten von FurnArch ist die Einbindung von Bilddatenbanken. Im Jahre 2014/15 konnte das Fotoarchiv von Konrad Strauss vollständig in FurnArch eingepfelgt werden.

FurnArch ist eine Privatinitative. Es erfährt von Dritten, auch von der öffentlichen Hnad, keinerlei Förderung. Anlegegt als gemeinnütziges Forschungsprojekt arbeitet FurnArch und auch die damit verkünpfte Wensite www.furnologia.de ohne Gewinnerzielung. Aus Gründen des Urherberrechts ist die Datenbank nicht für die Verwendung durch Dritte konzipiert. Ein Ausbau des Systems im Hinblick auf eine Online-Abfrage und eine Online-Eingabe ist jedoch grundsätzlich möglich und scheint auf lange Sicht im Rahmen eines Verbunds der europaweit agierenden Kachelforscher sinnvoll.

FurnArch ist insgesamt noch im Aufbau. Derzeit sind 56.350 Datensätze in Text und Bild eingegeben (Stand Februat 2015). Für diese Datensätze sind auch die Maße, Fundortangaben und die Provenienz abrufbar. Eine der Ausbaumöglichkeiten von FurnArch ist die Einbindung von Bilddatenbanken. Im Jahre 2014/15 konnte das Fotoarchiv von Konrad Strauss vollständig in FurnArch eingepflegt werden.


Die Datenmaske von FurnArch
Eingabe des Begriffs "Samson" (rechts oben in den Bereich "Beschreibung")
In FurnArch  sind 232 Einzelkacheln und -model abrufbar, auf denen der alttestamentarische Held Samson dargestellt ist.
Verfeinern der Suche unter Hinzugabe der Inschrift "SIMSON" im Bereich "Beschriftung"
Nun werden 15, in diesem Falle überseinstimmende Darstellungen ausgewiesen. Sie stammen aus Basel, Geislingen (Burg Helfenstein), Hambach (Maxburg), Innsbruck, Kandel, Lörrach (Burg Rötteln), Lorch (Kloster), Schwäbisch Gemünd, Wertheim (Schloss), Wiesenbronn, Würzburg und Zürich. Damit kann man davon ausgehen, dass das vor 1500 entstandene Motiv in ganz Südwestdeutschland geläufig war. Auffällig ist darüber hinaus eine polychome Samson-Kachel von der Burg in Wertheim.


Weiterführende Literatur

Harald Rosmanitz, Vom Fragment zum Kachelofen. Die Stecknadel im Heuhaufen, in: Georg Ulrich Großmann (Hg.), Heiß diskutiert – Kachelöfen. Geschichte, Technologie, Restaurierung ; Beiträge der internationalen Tagung der Fachgruppe Kunsthandwerk im Verband der Restauratoren e.V. vom 10. bis 12. Januar 2008 im Germanischen Nationalmuseum (Veröffentlichung des Instituts für Kunsttechnik und Konservierung im Germanischen Nationalmuseum Bd. 9), Nürnberg 2011, S. 13–31.

Harald Rosmanitz, Das Jesuskind und die bärtigen Männer mit Zipfelmützen. Die spätmittelalterlichen Ofenkacheln von der Wertheimer Burg, in: Wertheimer Jahrbuch (2011/12), S. 75–111.


Harald Rosmanitz, Partenstein 2015