FurnArch oder die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen

In den letzten Jahrzehnten wurden im mitteleuropäischen Raum zahlreiche Publikationen über historische Ofenkacheln verfaßt. Meist stellt diese Materialgruppe jedoch nur einen randlichen Aspekt dar. Nur in den seltensten Fällen ergibt sich daraus eine für den übergeordneten Abgleich relevante statistische und chronologische Auswertung. Oft steht der lokalhistorische Kontext im Vordergrund. In den meisten Fällen erweist sich das Fundmaterial als zu zahlreich und zu vielfältig, um es komplett vorzulegen.

Grün markiert sind bearbeitete Fundkomplexe, gelb markiert sind die teilweise bearbeiteten Funde. Rot markiert sind die Fundkomplexe, deren Bearbeitung noch am Anfang steht.

Materialerfassungen im Rahmen der Erstellung von FurnArch. Stand Juni 2020. Karte: S. Bachmann, Heimbuchenthal

FurnArch versteht sich als bundesländerübergreifende Datenbank zur Erfassung mittelalterlicher und neuzeitlicher Bestände reliefierte Ofenkeramiken in Süddeutschland und den Anrainerregionen. Die in der Datei erfassten Objekte stammen aus Depots und Sammlungen in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Anrainerregionen wie Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt finden partiell ebenso Berücksichtigung wie ausgewählte Sammlungen im Elsaß, der Schweiz und in Österreich. Um den Stücken im Hinblick auf ihre kleinräumige Verbreitung eine gewisse Basis zu geben, wurden mit der Komplettaufnahme der Bestände in Unterfranken, in Ettlingen, Heidelberg, Karlsruhe-Durlach und Mannheim kleinräumige Schwerpunkte geschaffen. Forschungsschwerpunkte der letzten Jahre bilden Südthüringen und Oberbayern.

FurnArch beschränkt sich auf die Sichtung reliefierter Ofenkeramik vom 14. Jahrhundert bis etwa um 1800. In Einzelfällen scheint eine Erweiterung des Zeitrahmens nach unten und oben sinnvoll.

FurnArch bietet einerseits die Möglichkeit des raschen Zugriffs zur Bestandsübersicht, insbesondere der meist nur schwer zugänglichen und schlecht erschlossenen Bestände aus archäologischem Kontext. FurnArch ist aufgrund seiner einheitlichen Objektansprache und Verschlagwortung in der Lage, beständeübergreifend Auskünfte zu Motiven und Techniken zu Objekten zu liefern. Damit lassen sich von einem Fragment ausgehend Rückschlüsse auf das ursprüngliche Aussehen des Einzelstücks, seine Einbindung in eine Bilderfolge und möglicherweise sogar auf die ursprüngliche Gestalt des Ofenkörpers schließen. Durch die Vernetzung mit ähnlichen Stücken werden Verbreitungsgebiete deutlich.

FurnLit, ein auf dem Programm Citavi basierendes Literaturverwaltungsprogramm zu Ofenkeramik, das parallel zu FurnArch seit 2004 erstellt wurde, liefert aufgrund seiner komplexen Verschlagwortung zusätzliche Vergleichsstücke. Insbesondere zur Einbindung eines Motivs in einen europaweiten Kontext hat sich die Literaturdatenbank als für die Erstellung von Kartierungen unverzichtbares Element bei der Objektrecherche erwiesen.

FurnArch ist und bleit auch auf lange Sicht im Aufbau. Derzeit (Stand Juni 2020) sind 69.983 Datensätze in Text und Bild eingegeben. Für diese Datensätze sind auch die Maße, Fundortangaben und die Provenienz abrufbar. Eine der Ausbaumöglichkeiten von FurnArch ist die Einbindung von Bilddatenbanken. Im Jahre 2014/15 konnte das Fotoarchiv von Konrad Strauss vollständig in FurnArch eingepflegt werden.

FurnArch ist eine Privatinitative. Es erfährt von Dritten, auch von der öffentlichen Hand, keinerlei Förderung. Angelegt als gemeinnütziges Forschungsprojekt arbeitet FurnArch und die damit verknüpfte Website www.furnologia.de nicht gewinnorientiert. Aus Gründen des Urherberrechts ist die Datenbank nicht für die direkte Verwendung durch Dritte konzipiert. Ein Ausbau des Systems im Hinblick auf eine Online-Abfrage und eine Online-Eingabe ist jedoch grundsätzlich möglich und scheint auf lange Sicht im Rahmen eines Verbunds der europaweit agierenden Kachelforscher sinnvoll.


Die Datenmaske von FurnArch

Eingabe des Begriffs "Samson" (rechts oben in den Bereich "Beschreibung")

In FurnArch sind 240 Einzelkacheln und -model abrufbar, auf denen der alttestamentarische Held Samson dargestellt ist.

Verfeinern der Suche unter Hinzugabe der Inschrift "SIMSON" im Bereich "Beschriftung"

Nun werden 16, in diesem Falle überseinstimmende Darstellungen ausgewiesen. Sie stammen aus Basel, Geislingen (Burg Helfenstein), Hambach (Maxburg), Innsbruck, Kandel, Lörrach (Burg Rötteln), Lorch (Kloster), Schwäbisch Gemünd, Wertheim (Schloss), Wiesenbronn, Würzburg und Zürich.

Die Kachelserie mit "Blattkacheln" mit Samson als Löwenbezwinger mit Schriftband lässt sich auf 39 Fundstücke eingrenzen.

Die Listenaufführung ist die Grundlage einer Kartierung.


Weiterführende Literatur

Harald Rosmanitz, Vom Fragment zum Kachelofen. Die Stecknadel im Heuhaufen, in: Georg Ulrich Großmann (Hg.), Heiß diskutiert – Kachelöfen. Geschichte, Technologie, Restaurierung ; Beiträge der internationalen Tagung der Fachgruppe Kunsthandwerk im Verband der Restauratoren e.V. vom 10. bis 12. Januar 2008 im Germanischen Nationalmuseum (Veröffentlichung des Instituts für Kunsttechnik und Konservierung im Germanischen Nationalmuseum Bd. 9), Nürnberg 2011, S. 13–31.

Harald Rosmanitz, Das Jesuskind und die bärtigen Männer mit Zipfelmützen. Die spätmittelalterlichen Ofenkacheln von der Wertheimer Burg, in: Wertheimer Jahrbuch (2011/12), S. 75–111.


Harald Rosmanitz, Partenstein 2020