Galerie: 08/15 aus Nürnberg

 Der „Nürnberger“ Kachelofen – Ein Konzept geht auf Reisen

Fragment einer Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Ende 16. Jh., H. 11,2 cm, Br. 12,1 cm, Nürnberg, Stadtarchäologie, urspr. Nürnberg, Hinteren LedergasseDer Renaissance zuzuweisen sind Fragmente von Blattkacheln mit glatten, nischenförmig einziehenden Bildfeldern. Sie stammen in der Mehrzahl aus Nürnberg. Im Gegensatz zu den meisten in der Sektion “Galerie” vorgestellten Stücken nimmt sich die auf einfache Grundformen reduzierte Bildsprache der grün glasierten Ofenkeramiken extrem bescheiden aus. Wird das Ganze jedoch in den übergeordneten Kontext eines Ofens gestellt, so war dieser der Wohnstube eines Bürgers durchaus angemessen. Eine recht genaue Vorstellung von einer solchen Raumheizung gibt eine bald nach 1513 entstandene Zeichnung in den Hausbüchern der Nürnberger Zwölfbrüderstiftung.1 Sie zeigt den Hausdiener Pauly Mauser. Er fegt mit einem Reisigbesen die hölzernen Dielen einer Stube, in dessen Ecke ein grün glasierter Kachelofen steht. Der etwa mannshohe, zweiteilige Ofenkörper gliedert sich in einen kubischen Feuerkasten und in einen zylindrischen Oberofen. Er sitzt nicht auf dem Fußboden auf. Im Dielenboden verankerte, eiserne Stützen schaffen einen offenen Raum unter dem Heizkörper. Damit kann die dort anfallende Strahlungswärme ebenfalls zum Heizen genutzt werden. Der in seinem Unterbau rechteckige und in seinem Oberteil zylindrische Ofen stößt fast an der Decke einer niedrigen Stube an. Neben den auch in Meiningen nachweisbaren Blattkacheln mit glatten Nischen kommen die Ofenabschnitte trennende Gesimskacheln zum Einsatz. Das Ganze wird von einem zinnenbesetzten Gesims nach oben abgeschlossen. Heiztechnisch auf einen kleinen Innenraum optimiert fällt die Verzierung vergleichsweise bescheiden aus. Neben der als Zinnenkranz gearbeiteten Ofenbekrönung wären hierbei die rot ausgemalten Fugen zwischen den einzelnen Kacheln zu benennen. Ebenfalls in den Bereich der Verzierung fällt das sich ständig wechselnden Lichtspiel in den glasierten, nischenförmigen Einbuchtungen. Insbesondere bei flackerndem Kerzenschein dürfte die Ofenoberfläche eine reizvolle und sicher auch so beabsichtigte Lebendigkeit entwickelt haben.

Der Hausdiener Pauly Mauser Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftung, Nürnberg, 1513, Nürnberg, StadtbibliothekDie Suche nach dem Aussehen von Kachelöfen endet keinesfalls mit der Analyse zeitgenössischer, bildlicher Darstellungen. Vielmehr schufen Hafner für den Endverbraucher kleine Ofenmodelle, anhand derer sich der Kunde eine Vorstellung vom endgültigen Aussehen seiner Raumheizung machen konnte.2 Allen renaissancezeitlichen Ofenmodellen gemeinsam ist die Grundform des zweiteiligen, schlanken Ofens mit von der Wand leicht abgesetztem, freistehendem und an allen vier Seiten mit Ofenkacheln besetztem Oberofen. Die in der Rückwand verankerte Grundplatte ruht im Bereich der Stirnseite auf zwei niedrigen Füßen. Der Feuerkasten ist, wie auch der Oberofen, kleinteilig mit Kacheln besetzt. Beide Teile sind als in sich geschlossene, architektonische Einheiten gebildet. Zwischen einem leicht auskragenden Sockelgesims und einem ebenfalls auskragenden, oberen Abschlussgesims bleibt ausreichend Platz für ein mehrzeiliges Bildprogramm.

Das gehäufte Vorkommen von Blattkacheln mit glatten Nischen in Nürnberg kann als Indiz dafür gewertet werden, dass dieser Kacheltypus in der Handelsmetropole an der Pegnitz entwickelt wurde. Die leicht zu fertigenden Kacheln dürften in ihrer Herstellung nicht allzu teuer gewesen sein. Damit ließ sich bei minimalen Anschaffung- und Wartungskosten ein passabel repräsentativer Heizkörper in den Hausstand integrieren. Dies trug maßgeblich zur Beliebtheit dieser Form weit über die Region hinaus bis zur Elbe bei. Mit Kachelform wurden ab 1500 für annähernd ein Jahrhundert zahlreiche Kachelöfen ausgestattet. Noch langlebiger und weiter verbreitet waren lediglich aus scheibengedrehten Napfkacheln aufgesetzte Öfen. Beiden Kachelformen gemeinsam ist der mit ihnen aufbaubare, einfach strukturierte Ofenkörper mit stabiler Außenhülle. Hatten diese sich bei bei den strengen Feuerschauen in den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Innenstädten erst einmal bewährt, so stand ihrer Entwicklung zu Archetypen nichts mehr im Wege. Nach Ausweis der archäologischen Quellen fällt zudem auf, dass sich Öfen dieser Art in erster Linie Haushalten von Handwerkern und Veraltungsbeamten zuweisen lasse. Demnach waren sie im Großen und Ganzen beim dem damaligen Mittelstand in Nutzung. Mit den Nürnberger Stücken übereinstimmende, nischenförmige Blattkacheln finden sich auch in Südthüringen, so in Hildburghausen, Meiningen, Schalkau-Sonneberg und Schmalkalden wieder. Allen südthüringischen Kacheln gemeinsam ist die dreifach getreppte und mit glatten Halbstäben und Kehlen besetzte Rahmenleiste.

Gleichzeitig dürften in Nürnberg auch durchaus prächtigere Öfen gestanden haben. Sie griffen in ihrem Bildprogramm humanistisches Gedankengut auf. Paradebeipiel hierfür sind die auf die Nürnberger Burg transferierten Öfen sowie der aus zwei Öfen zusammengebaute Ofen im Hornzimmer der Veste Coburg.

Verbreitung der Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld. Karte J. Jung, Spessart-GISDas gehäufte Vorkommen von Blattkacheln mit glatten Nischen in Nürnberg kann als Indiz dafür gewertet werden, dass dieser Kacheltypus in der Handelsmetropole an der Pegnitz entwickelt wurde. Die leicht zu fertigenden Kacheln dürften in ihrer Herstellung nicht allzu teuer gewesen sein. Damit ließ sich bei minimalen Anschaffung- und Wartungskosten ein passabel repräsentativer Heizkörper in den Hausstand integrieren. Dies trug maßgeblich zur Beliebtheit dieser Form weit über die Region hinaus bis zur Elbe bei. Mit Kachelform wurden ab 1500 für annähernd ein Jahrhundert zahlreiche Kachelöfen ausgestattet. Noch langlebiger und weiter verbreitet waren lediglich aus scheibengedrehten Napfkacheln aufgesetzte Öfen. Beiden Kachelformen gemeinsam ist der mit ihnen aufbaubare, einfach strukturierte Ofenkörper mit stabiler Außenhülle. Hatten diese sich bei bei den strengen Feuerschauen in den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Innenstädten erst einmal bewährt, so stand ihrer Entwicklung zu Archetypen nichts mehr im Wege. Nach Ausweis der archäologischen Quellen fällt zudem auf, dass sich Öfen dieser Art in erster Linie Haushalten von Handwerkern und Veraltungsbeamten zuweisen lasse. Demnach waren sie im Großen und Ganzen beim dem damaligen Mittelstand in Nutzung. Mit den Nürnberger Stücken übereinstimmende, nischenförmige Blattkacheln finden sich auch in Südthüringen, so in Hildburghausen, Meiningen, Schalkau-Sonneberg und Schmalkalden wieder. Allen südthüringischen Kacheln gemeinsam ist die dreifach getreppte und mit glatten Halbstäben und Kehlen besetzte Rahmenleiste.

Gleichzeitig dürften in Nürnberg auch durchaus prächtigere Öfen gestanden haben. Sie griffen in ihrem Bildprogramm humanistisches Gedankengut auf. Paradebeipiel hierfür sind die auf die Nürnberger Burg transferierten Öfen sowie der aus zwei Öfen zusammengebaute Ofen im Hornzimmer der Veste Coburg.

Fragment einer Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Ende 16. Jh., H. 11,2 cm, Br. 12,1 cm, Nürnberg, Stadtarchäologie, urspr. Nürnberg, Hinteren Ledergasse
Fragment einer Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
grün glasiert, Ende 16. Jh., H. 11,2 cm, Br. 12,1 cm

Nürnberg, Stadtarchäologie, urspr. Nürnberg, Hinteren Ledergasse
Fragment einer Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Ende 16. Jh., H. 11,2 cm, Br. 12,1 cm, Nürnberg, Stadtarchäologie, urspr. Nürnberg, Hinteren Ledergasse
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H.19,0 cm, Br. 19,0 cm, Karlsruhe. Privatbesitz, urspr. Karlsruhe-Durlach, Rebenstrasse
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
grün glasiert, Anfang 16. Jh., H.19,0 cm, Br. 19,0 cm

Karlsruhe. Privatbesitz, urspr. Karlsruhe-Durlach, Rebenstrasse
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H.19,0 cm, Br. 19,0 cm, Karlsruhe. Privatbesitz, urspr. Karlsruhe-Durlach, Rebenstrasse
Fragment einer Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H.24,5 cm, Br. 16,5 cm Karlsruhe. Privatbesitz, urspr. Karlsruhe-Durlach, Amthausstrasse
Fragment einer Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
grün glasiert, Anfang 16. Jh., H.24,5 cm, Br. 16,5 cm

Karlsruhe. Privatbesitz, urspr. Karlsruhe-Durlach, Amthausstrasse
Fragment einer Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H.24,5 cm, Br. 16,5 cm Karlsruhe. Privatbesitz, urspr. Karlsruhe-Durlach, Amthausstrasse
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 17,8 cm, Br. 17,3 cm Hildburghausen, Stadtmuseum, urspr. Hildburghausen, Schlossplatz
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 17,8 cm, Br. 17,3 cm

Hildburghausen, Stadtmuseum, urspr. Hildburghausen, Schlossplatz
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 17,8 cm, Br. 17,3 cm Hildburghausen, Stadtmuseum, urspr. Hildburghausen, Schlossplatz
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 18,1 cm, Br. 12,7 cm Weimar, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege, urspr. Ohrdruf, Schloss Ehrenstein
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 18,1 cm, Br. 12,7 cm

Weimar, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege, urspr. Ohrdruf, Schloss Ehrenstein
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 18,1 cm, Br. 12,7 cm Weimar, Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege, urspr. Ohrdruf, Schloss Ehrenstein
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, engobiert, Mitte 16. Jh., H. 23,8 cm, Br. 12,5 cm, Bad Windsheim, Fränkisches Freilandmuseum, urspr. Ochsenfeld, Gde. Adelschlag
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
engobiert, Mitte 16. Jh., H. 23,8 cm, Br. 12,5 cm

Bad Windsheim, Fränkisches Freilandmuseum, urspr. Ochsenfeld, Gde. Adelschlag
Fragment einer quadratischen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, engobiert, Mitte 16. Jh., H. 23,8 cm, Br. 12,5 cm, Bad Windsheim, Fränkisches Freilandmuseum, urspr. Ochsenfeld, Gde. Adelschlag
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 14,9 cm, Br. 18,8 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Kaiserslautern, Rittersberg
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 15,4 cm, Br. 19,2 cm

Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Speyer, Herderstraße
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 14,9 cm, Br. 18,8 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Kaiserslautern, Rittersberg
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Ende 15.. Jh., H. 27,4 cm, Br. 18,2 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Busenberg, Burg Drachenfels
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
grün glasiert, Ende 15.. Jh., H. 27,4 cm, Br. 18,2 cm

Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Busenberg, Burg Drachenfels
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Ende 15.. Jh., H. 27,4 cm, Br. 18,2 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Busenberg, Burg Drachenfels
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 14,9 cm, Br. 18,8 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Kaiserslautern, Rittersberg
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld
grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 14,9 cm, Br. 18,8 cm

Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Kaiserslautern, Rittersberg
Fragment einer hochrechteckigen Blattkachel mit glattem, nischenförmig einziehendem Bildfeld, grün glasiert, Anfang 16. Jh., H. 14,9 cm, Br. 18,8 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz, urspr. Kaiserslautern, Rittersberg

Weiterführende Literatur:

Kirsten Remky, Zwei Ofenmodelle im Bestand des Suermondt-Ludwig-Museums Aachen. In: Aachener Kunstblätter 65, S. 201–206.
Harald Rosmanitz, Evangelisten, Spährenkugel und Maßwerk. Ein Kachelofen en miniature aus dem Bereich der Alten Markthalle in Ettlingen. In: Harald Siebenmorgen (Hg.): Blick nach Westen. Keramik in Baden und im Elsass. Karlsruhe 2013, S. 325–330.
Harald Rosmanitz, Wohlige Wärme in der Residenzstadt. Meininger Kachelgeschichte(n). In: Mathias Seidel (Hg.): Spiegel des Alltags. Archäologische Funde des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus Meiningen. Meiningen 2013, S. 57–71.

© Harald Rosmanitz, Partenstein 2014, überarbeitet und erweitert 2015

  1. Kolorierte Zeichnung aus den Hausbüchern der Nürnberger Zwölfbrüderstiftung, Landauer I, Stadtbibliothek Nürnberg, Amb. 279.2 Folio 10 verso.
  2. Remky 2013, S. 201–206; Rosmanitz 2013, S. 325-330.