Galerie: Ein Ofenfuß mit Löwenkopf aus Mannheim*

Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 19,2 cm; Br. 10,4 cm, Mannheim, Reiss-Engelhorn-Museum, urspr. Mannheim H 3.11Der Sockel des ursprünglich schlanken Ofenfusses setzt sich aus einer glatten Platte unter einer akanthusblattbesetzten Kehle zusammen. Darüber kragt eine als glatter Halbstab gebildete Leiste kissenartig aus. Den Gutteil des Raumes nimmt darüber ein tropfenförmig sich nach unten verbeiterndes Versatzteil ein. Es weist ebenso wie die Leiste darunter eine Verzierung mit kleinteiligem Beschlagwerk auf. Darüber hinaus sind auf dem trapezförmigen Gebilde die zentralen, hochovalen Medaillons auf allen vier Seiten jeweils mit einem Löwenkopf besetzt. Der an dem Mannheimer Stück nicht mehr erhaltene obere Abschluss wurde als spiegelbildliches Gegenstück zum Sockel gearbeitet.

Rein funktional handelt es sich bei dem Mannheimer Stück um ein Element einer ursprünglich paarweise angeordneten keramischen Umhüllung von Eisenstäben. Diese trugen die Vorderseite eine Steinplatte, auf der ein mindestens zweistufiger Ofen errichtet werden konnte. Die untere Hälfte eines solchen Kombinationsofens dürfte, wie zeitgenössische Ofenmodelle nahelegen, aus gusseisernen Ofenplatten bestanden haben. Die einzelnen Ofenbestandteile wurden nach dem Setzen des Ofens durch den Auftrag eines mit Leinöl gemischten Graphitpuders farblich aufeinander abgestimmt.

Ofenfüße sind, ebenso wie Ofensteine, abgesehen von den Untersuchungen im Taunus durch Karl Baemerth1 bislang weitgehend als Forschungsdesiderat anzusprechen.Im Rhein-Neckar- und den Rhein-Main Raum ersetzen keramische Ofenfüße in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts den bis dahin üblichen gemauerten Ofenunterbau. Die paarigen, als einfache Pfeiler ausgebildenten Ofenfüße ummantelten dabei einen eisenen Stab, der das Gewicht des auflastenden Ofens abfing.

Verbreitung der Ofenfüße mit Löwenköpfen und Beschlagwerk. Karte: J. Jung, Spessart-GISDie hier vorgestellte Form der Ofenfüße kann als Regionalform des erweiterten Rhein-Neckar-Raumes angeprochen werde. Identische Ofenfüße in Bad Kreuznach, Heidelberg, Mainz und Speyer zeigen die Beliebtheit dieser Form. Bislang ist es noch nicht gelungen, die Werkstatt zu identifizieren, in der in den Jahrzehnten vor dem Dreißigjährigen Krieg solche Ofenfüße in größerer Stückzahl gefertigt wurden. Technisch gesehen war man in Mannheim zu dieser Zeit durchaus in der Lage, so etwas zu produzieren, und zwar sowohl als unglasierte, nachträglich zu graphitierende oder bereits als braun glasierte Ofenbauteile. Die beiden Heidelberger Stücke vom Kornmarkt und vermutlich vom Heidelberger Schloss stammen aus einer anderen Werkstatt als die restlichen, hier vorgestellten Vergleichsbeispiele. Die verzichten auf einen Aussparung für einen vertikalen Eisentab. Vollplastisch über einen Steinkern aufgebaut war bereits ihre Produktion höchst problematisch.

Stilistisch kann mit dem in Mannheim, H 3.11 gefundenen Fragmenten eines Ofenfusses2 der für den deutschen Manierismus charakteristische Trend zum horror vacui gefasst werden. Maßgeblichen Einfluss übte die Werkstatt des im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts in Frankfurt am Main ansässigen Formenscheiders Johannes Vest aus. Bald schon schlossen sich weitere Werkstätten wie das in Heidelberg in der Unteren Neckarstraße tätige Kachelatelier im Umfeld von Sebastian Götz an. Jener Sebastian Götz schuf zwischen 1607 und 1614 die Skulpturen am Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses.

*Erweiteret und überarbeitet Fassung von Harald Rosmanitz,: C2.04 – C2.08 Ofenkacheln und Baukeramik. In: Alfried Wieczorek (Hg.): Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa, Bd. 2, Regensburg/Mannheim: Schnell + Steiner; REM Reiss-Engelhorn-Museen, S. 331–335

Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 19,2 cm; Br. 10,4 cm, Mannheim, Reiss-Engelhorn-Museum, urspr. Mannheim H 3.11
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul
graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 19,2 cm; Br. 10,4 cm

Mannheim, Reiss-Engelhorn-Museum, urspr. Mannheim H 3.11
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 19,2 cm; Br. 10,4 cm, Mannheim, Reiss-Engelhorn-Museum, urspr. Mannheim H 3.11
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, rot behautet, Anfang 17. Jh., Heidelberg, Kurpfälzosches Museum, urspr. Heidelberg, Kornmarkt
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul
rot behautet, Anfang 17. Jh.

Heidelberg, Kurpfälzosches Museum, urspr. Heidelberg, Kornmarkt
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, rot behautet, Anfang 17. Jh., Heidelberg, Kurpfälzosches Museum, urspr. Heidelberg, Kornmarkt
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, rot behautet, Anfang 17. Jh., H. 33,5 cm; Br. 10,8 cm, Heidelberg, Kurpfälzosches Museum, urspr. verm. Heidelberger, Schloss
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul
rot behautet, Anfang 17. Jh., H. 33,5 cm; Br. 10,8 cm

Heidelberg, Kurpfälzosches Museum, urspr. verm. Heidelberger, Schloss
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, rot behautet, Anfang 17. Jh., H. 33,5 cm; Br. 10,8 cm, Heidelberg, Kurpfälzosches Museum, urspr. verm. Heidelberger, Schloss
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 39,2 cm; Br. 11,0 cm, Bad Kreuznach, Museum im Rittergut Bangert
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul
graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 39,2 cm; Br. 11,0 cm

Bad Kreuznach, Museum im Rittergut Bangert
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 39,2 cm; Br. 11,0 cm, Bad Kreuznach, Museum im Rittergut Bangert
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh., H. 20,0 cm; Br. 11,2 cm, Mainz, Landesmuseum
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul
dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh., H. 20,0 cm; Br. 11,2 cm

Mainz, Landesmuseum
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh., H. 20,0 cm; Br. 11,2 cm, Mainz, Landesmuseum
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 17,7 cm; Br. 10,9 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul
graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 17,7 cm; Br. 10,9 cm

Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 17,7 cm; Br. 10,9 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 28,3 cm; Br. 12,5 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul
graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 28,3 cm; Br. 12,5 cm

Speyer, Historisches Museum der Pfalz
Fragment eines Ofenfußes in Gestalt eines Balusters mit Beschlagwerk, Medaillon mit Löwen mit Ring im Maul, graphitiert, Anfang 17. Jh., H. 28,3 cm; Br. 12,5 cm, Speyer, Historisches Museum der Pfalz


Weiterführende Literatur:

Friedrich Karl Azzola u. Eugen Schenkel, Zwei aus Ton gebrannte Ofenfüße und ein Ofenfußstein in Astheim: Trebur 1999.
Karl Baeumerth, Ofenfußsteine im Taunus. In: Usinger Land 1 (1997).
Albert Nieschalk, Ofenfußsteine aus dem Waldecker Land. In: Waldecker Landeskalender 245 (1972), S. 194–198.
Albert Nieschalk, Ofenfußsteine aus Nordhessen. In: Hessische Heimat 24 (1974), S. 194–198.
Harald Rosmanitz, Die Ofenkacheln. In: Dietrich Lutz (Hg.): Vor dem großen Brand. Archäologie zu Füßen des Heidelberger Schlosses. Stuttgart 1992, S. 77–81, bes. S. 79, Abb. 87.
Harald Rosmanitz,: C2.04 – C2.08 Ofenkacheln und Baukeramik. In: Alfried Wieczorek (Hg.): Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa, Bd. 2, Regensburg/Mannheim: Schnell + Steiner; REM Reiss-Engelhorn-Museen, S. 331–335, bes. S. 333, Kat. Nr. C2.06.
Klaus Wirth, Ausgrabungen im Töpferviertel von Mannheim. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2005, S. 208–210.


Harald Rosmanitz, Partenstein 2014, erweitert und überarbeitet 2015

  1. Baeumerth 1997
  2. Wirth 2005, S. 208-210.