Galerie: Eine Blattkachel mit Tapetendekor aus Karlsruhe-Durlach

 Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, dunkelbraun glasiert, 17. Jh., H. 22,0 cm, Br. 22,0 cm, Rastatt, Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Zentrales Fundarchiv, urspr. Karlsruhe-Durlach, SaumarktDas Bildfeld der quadratischen, randlosen Kachel wird durch ein rechtwinkliges breites Band bestimmt, das an den beiden unteren Ecken ansetzt und als diagonal orientierter rechter Winkel das Hauptgliederungselement des Bildfeldes bildet. Das Band wird von zwei erhabenen, beiderseitig einfach abgetreppten Leisten gerahmt. Dazwischen liegt ein an der Mittelachse der Vertikalen symmetrisch angeordnetes Rankendekor. Hauptelement bilden zwei nach oben wachsende Ranken, die zwei antithetischen, an den Stängeln dreifach verklammerten Akanthusblättern entwachsen. Die Ansatzstellen werden von einem zweiteiligen Akanthusblattbesatz und einer nach unten wachsenden Volute mit Kerbendekor verdeckt. Die s-förmig geschwungene Ranke bildet etwa auf halber Höhe einen Nebentrieb mit einem von Blütenblättern umschlossenen FruchtstanUmzeichnung der Blattkachel mit Tapetendekor aus dem Barockkeller im Saumarkt in Karlsruhe-Durlachd aus, dessen ausladende Gestalt an den Rittersporn erinnert. Auch diese Ansatzstelle wird von einer kelchförmigen Blattstruktur überlagert. Die Rankenenden sind mit fünfblättrigen Blüten besetzt. Sie werden knapp unterhalb des Blütenansatzes mit einer stabförmigen Struktur verklammert, deren Enden als gegenständige Blätterkelche gearbeitet wurden. Die verbliebene Kachelfläche nimmt eine auf drei Segmente verteilte vierblättrige Akanthusrosette ein. Sie liegt auf einem durch kleine, schachbrettförmig aneinandergereihte Mulden belebten Untergrund. Die Lesbarkeit dieses Akanthusmotivs wird jedoch erst durch eine mehrzeilige versetzte Anordnung gleichartiger Kacheln ermöglicht. Die Bänder bilden dann als rautenförmige Struktur den Rahmen für das floral-ornamentale Zentralmotiv.

Rekonstruktion der Stirnseite des Kachelofens mit Blattkacheln mit Tapetendekor aus dem Barockkeller im Saumarkt in Karlsruhe-DurlachDie Kachel gehört zur Gruppe der Öfen mit Tapeten- oder Teppichmuster, den sogenannten Tapetenöfen1. Ihre Muster aus Blatt- und Rankenwerk sind so angelegt, dass sie in endloser Folge fortgesetzt werden können. Die Einzelkachel verliert dabei als Bildträger an Bedeutung. Erst im Zusammenspiel mit den umgebenden Kacheln ergibt sich das vollständige maureske oder arabeske Muster. Kennzeichnend ist dabei nicht das Einzelornament, sondern die flächenhafte Wirkung des Schmuckwerkes.

Die ornamentale Flächenbehandlung entstand als eigenständiges Ziermotiv bald nach 15002. Der daraus entwickelte Tapetenofen erfreute sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Bayern, Österreich, der Nordschweiz und am Oberrheingebiet großer Beliebtheit. Die verwendeten Muster entsprechen zeitgenössischen Ornamenten auf Bekleidung, Wandbespannungen und Ledertapeten3. Möglicherweise verdankt der Ofentypus seine Entstehung dem Streben, die Raumheizung der angeführten Raumdekoration anzugleichen. Einer der frühesten Öfen mit Tapenmuster ist der Ofen mit zwei zylindrischen Aufsätzen, den Peter Aichner im Jahre 1517 für die Burg Trausnitz ob Landshut anfertigte4. Zahlreiche weitere Öfen mit Tapetenmuster haben sich auf Schloß Ambras ob Innsbruck, in der Hofburg in Brixen, sowie im Steirischen Landesmuseum Johanneum in Graz erhalten.

Dem vorliegenden Stück aus der Gruppe der quadratischen Tapetenkacheln kann eine Vielzahl verschiedener Ausprägungen im gesamten Süddeutschland an die Seite gestellt werden. Wie viele Kachelöfen mit Tapetendekoren besetzt waren, zeigt sich erst bei einer intensiven, flächendeckenden Materialaufnahme, wie sie beispeilsweise für Aschaffenburg, Fulda, Kirchheim unter Teck sowie für Karlsruhe-Durlach und Ettlingen vorliegen5.

,Verbreitung der in FurnArch erfassten Blattkacheln mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band. Karte: Jürgen Jung, Spessart-GISWeitere Ausformungen von Blattkacheln mit Tapetendekor Durlacher Art stammen von mehreren Stellen in der Aschaffenburger Innenstadt6, aus Basel, Breisach, Butzbach, Engen, Esslingen, Ettlingen, Fulda, Schloß Halwill7, Burg Hardenberg, Kirchheim unter Teck, Mengen, Miltenberg, Rothenburg, Saverne, Sinsheim, Speyer, Staufen und Villingen. Ein Modelfragment von der Großen Greifengasse in Speyer zeigt, dass solche Motive auch in qualitativ hochstehenden Werkstattbetrieben in Benutzung waren. Aufgrund der Datierung der weiteren aus dem Befund stammenden Kacheln in die Zeit um 15808 kann das Model zudem als der bislang älteste Beleg für das vorliegende Tapetendekor auf Werken der Kachelkunst angesprochen werden. Eine leicht abgewandelte Abart, Kacheln mit waffelmusterbesetzter Zierleiste, konnten aus demselben Befundzusammenhang, sowie in Alzenau, Alzey9, Aschaffenburg, Dieburg, Fulda, Burg Hardenberg, Hirschhorn, Karlsruhe-Durlach, Kirchzell, Obernburg, Obernau, Salzburg10, Seligenstadt, Sinsheim und Volkach nachgewiesen werden. Das bislang fassbare Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Unterlauf des Mains, Süd- und Rheinhessen bis in die Nordschweiz und legt damit nahe, dass die Ornamentform im gesamten südwestdeutschen und nordschweizer Raum verbreitet war11.

Auch bei dem vergleichsweise einfachen Tapetendekor lohnt sich eine vergleichende Betrachtung des Dekors. Neben geringen Vartiationen wie der Einfassung des Rankenwerks im rechten Winkel durch Perlschnüre oder differenzierte Abtreppungen der die Winkel rahmenden Leisten lassen sich durchaus auch große Unterschiede konstatieren. Dies beginnt damit, dass das Motiv bereis in der Renaissance unterschiedlichen Rahmenbedingungen angepasst werden mussten. So waren für den Ofen auf der Mildenburg bei Miltenberg hochrechteckige Formate vonnöten. Dafür wurde das gesamte Motiv um gut ein Drittel in der Vertikalen auseinandergezogen. Aufgrund der langen Laufzeit des Motivs wurde der ursprünglich exakt den Vorgaben der Renaissance entsprechende Rankenbesatz mehrfach abgeändert: Ein Beispiel hierfür ist die Kachel aus Breisach, bei der in Unkenntnis der ikonographischen Aussage der Akanthusrosette an diese Stelle eine eher spätgotisch anmutende Blüte trat. Dem barocken Formempfinden entsprichet die mit gefiederten Blättern besetzte Ranke in der Winkelfüllung der Rothenburger Kachel. Die Vielgestaltigkeit dürfte auch dadurch zustandekommen, dass eine Vielzahl geschulter und ungeschulter Hände an ihrer Entwicklung beteiligt waren. Es dürfte für keinen der Kacheln produzierenden Hafner eine Schwierigkeit dargestellt haben, das einfache Motiv eigenständig in Abwandlungen zu kreieren. Zwar wurde auch das vorliegende Relief in den Zentren des Kunsthandwerks entwickelt. Den Variantenreichtum verdanken wir aber in erster Linie den Töpereien vor Ort.

Die quadratischen Kacheln wurden in zueinander versetzten Reihen in den kubischen Feuerkasten oder in den Oberofen eingebaut. Eine Vorstellung über das ursprüngliche Aussehen des gesamten Kachelofens gibt ein am Ende des 17. Jahrhunderts errichteter Ofen im „Romanischen Haus“ in Seligenstadt12.


Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, dunkelbraun glasiert, 17. Jh., H. 22,0 cm, Br. 22,0 cm, Rastatt, Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Zentrales Fundarchiv, urspr. Karlsruhe-Durlach, Saumarkt
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
dunkelbraun glasiert, 17. Jh., H. 22,0 cm, Br. 22,0 cm

Rastatt, Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Zentrales Fundarchiv, urspr. Karlsruhe-Durlach, Saumarkt
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, dunkelbraun glasiert, 17. Jh., H. 22,0 cm, Br. 22,0 cm, Rastatt, Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Zentrales Fundarchiv, urspr. Karlsruhe-Durlach, Saumarkt
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., Ettlingen, Albgaumuseum, urspr. Ettlingen, Klösterle
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
unglasiert, 17. Jh.

Ettlingen, Albgaumuseum, urspr. Ettlingen, Klösterle
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., Ettlingen, Albgaumuseum, urspr. Ettlingen, Klösterle
Fragment einer über Eck geführten Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., H. 19,0 cm, Br. 18,5 cm, Kirchheim/Teck, Städtisches Museum am Kornmarkt, Urspr. Kirchheim/Teck, Wellingstraße
Fragment einer über Eck geführten Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
unglasiert, 17. Jh., H. 19,0 cm, Br. 18,5 cm

Kirchheim/Teck, Städtisches Museum am Kornmarkt, Urspr. Kirchheim/Teck, Wellingstraße
Fragment einer über Eck geführten Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., H. 19,0 cm, Br. 18,5 cm, Kirchheim/Teck, Städtisches Museum am Kornmarkt, Urspr. Kirchheim/Teck, Wellingstraße
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, mehrfarbig glasiert, um 1900, H. 19,0 cm, Br. 18,0 cm, Landshut, Staatliche Fachschule für Keramik
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
mehrfarbig glasiert, um 1900, H. 19,0 cm, Br. 18,0 cm

Landshut, Staatliche Fachschule für Keramik
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, mehrfarbig glasiert, um 1900, H. 19,0 cm, Br. 18,0 cm, Landshut, Staatliche Fachschule für Keramik
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, Ende 16. Jh.,, H. 11.6 cm, Br. 18,7 cm Speyer, Historisches Museum der Pfalz; ursprünglich Speyer, Greifengasse
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
unglasiert, Ende 16. Jh.,, H. 11.6 cm, Br. 18,7 cm

Speyer, Historisches Museum der Pfalz; ursprünglich Speyer, Greifengasse
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, Ende 16. Jh.,, H. 11.6 cm, Br. 18,7 cm Speyer, Historisches Museum der Pfalz; ursprünglich Speyer, Greifengasse
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., H. 18,5 cm, Br. 18,5 cm, Stuttgart, Württembergisches Landesmuseum
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
unglasiert, 17. Jh., H. 18,5 cm, Br. 18,5 cm

Stuttgart, Württembergisches Landesmuseum
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., H. 18,5 cm, Br. 18,5 cm, Stuttgart, Württembergisches Landesmuseum
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., H. 20,5 cm, Br. 20,5 cm, Mengen, Museum
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
unglasiert, 17. Jh., H. 20,5 cm, Br. 20,5 cm

Mengen, Museum
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., H. 20,5 cm, Br. 20,5 cm, Mengen, Museum
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., H. 21,0 cm, Br. 22,9 cm, Butzbach, Museum der Stadt
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
unglasiert, 17. Jh., H. 21,0 cm, Br. 22,9 cm

Butzbach, Museum der Stadt
Fragment des Models einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, unglasiert, 17. Jh., H. 21,0 cm, Br. 22,9 cm, Butzbach, Museum der Stadt
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, graphitiert, 17. Jh., H. 24,5 cm, Br. 24,0 cm, Rothenburg o. T., Reichsstadtmuseum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
graphitiert, 17. Jh., H. 24,5 cm, Br. 24,0 cm

Rothenburg o. T., Reichsstadtmuseum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, graphitiert, 17. Jh., H. 24,5 cm, Br. 24,0 cm, Rothenburg o. T., Reichsstadtmuseum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, mehrfarbig glasiert, 17. Jh., H. 21,0 cm, Br. 21,0 cm, Breisach, Museum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
mehrfarbig glasiert, 17. Jh., H. 21,0 cm, Br. 21,0 cm

Breisach, Museum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, mehrfarbig glasiert, 17. Jh., H. 21,0 cm, Br. 21,0 cm, Breisach, Museum
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh., H. 28,4 cm, Br. 17,6 cm, Miltenberg, Museum der Stadt, urspr. Miltenberg, Mildenburg
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh., H. 28,4 cm, Br. 17,6 cm

Miltenberg, Museum der Stadt, urspr. Miltenberg, Mildenburg
Fragment einer Blattkachel mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, dunkelbraun glasiert, Anfang 17. Jh., H. 28,4 cm, Br. 17,6 cm, Miltenberg, Museum der Stadt, urspr. Miltenberg, Mildenburg
Fragment einer Bodenfliese mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, gelb glasiert, Anfang 17. Jh., H. 18,0 cm, Br. 18,0 cm, Saverne, Musée de Saverne
Fragment einer Bodenfliese mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band
gelb glasiert, Anfang 17. Jh., H. 18,0 cm, Br. 18,0 cm

Saverne, Musée de Saverne
Fragment einer Bodenfliese mit Tapetendekor mit Akanthusrosetten und rechtwinkligem, rankenbesetztem Band, gelb glasiert, Anfang 17. Jh., H. 18,0 cm, Br. 18,0 cm, Saverne, Musée de Saverne


Harald Rosmanitz, Partenstein 2006, überarbeitet und erweitert 2011 und 2015

  1. Gertrud Benker u. Herbert Hagn, Historische Kacheln und Model vom Spätmittelalter bis zum Jugendstil. Die Sammlung der Staatlichen Fachschule für Keramik Landshut. Landshut 2002, 40-45; Fritz Blümel, Deutsche Öfen. Der Kunstofen von 1480 bis 1910. Kachel- und Eisenöfen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, München 1965, 57-59; Rosemarie Franz, Der Kachelofen. Entstehung und kunstgeschichtliche Entwicklung vom Mittelalter bis zum Ausgang des Klassizismus. 2.verb. u. verm. Aufl., Graz 1981, 99-100; Eva Heller-Karneth u. Harald Rosmanitz, Alzeyer Kachelkunst der Renaissance und des Barock. Alzey 1990, 41-42; Eva Roth Kaufmann, René Buschor u. Daniel Gutscher, Spätmittelalterliche reliefierte Ofenkeramik in Bern. Herstellung und Motive, Bern 1994, 75-77.
  2. Rosemarie Franz spricht sich für die Entstehung des Ofentyps in der 1. Hälfte des 16. Jh. in Salzburg aus (Alte Salzburger Hafnerkunst. Dokumentation zu den Funden im Haus Steingasse 67 in Salzburg, Salzburg 1975, 7).
  3. Horst Appuhn u. Christian von Heusinger, Riesenholzschnitte und Papiertapeten der Renaissance, Unterschneidheim 1976, bes. S. 98.
  4. Blümel 1965, 49. Der Unterbau des Ofens wurde um 1870 im Auftrag von Ludwig II. von Bayern erneuert.
  5. Harald Rosmanitz, Die frühbarocken Plattenöfen aus dem Haus eines Kaufmanns in Karlsruhe-Durlach. Zur Frage der Rekonstruktion und Motivwahl. Masch. Manuskript, Karlsruhe 1994. Von 33.100 in FurnArch erfassten Kacheln (Stand Januar 2011) waren lediglich 1.318 Objekte der Gruppe der Blattkacheln mit Tapetendekor zuzuweisen. Für den unerwartet geringen Anteil von 4 % am Gesamten lassen sich zwei Ursachen ermitteln: Zum einen finden Kacheln mit Tapetendekor u.a. aufgrund ihrer vergleichsweise jungen zeitlichen Einordung und auch aufgrund ihrer als wenig aussagekräftig angesehenen Oberfläche eher selten Eingang in Sammlungsbestände. Zum anderen wurden von solchen Ofenkeramiken in fast allen Fällen lediglich Belegexemplare bewahrt. Der ursprüngliche Anteil entsprechender Dekore dürfte weit höher angesetzt werden.
  6. Gerhard Ermischer, Die Tapetenkacheln und Aufsätze aus der Grabung Schloßplatz 2, In: Gerhard Ermischer (Hg.), Schloßarchäologie. Funde zu Schloß Johannisburg in Aschaffenburg, Aschaffenburg 1996, 81-85. Die Aschaffenburger Kacheln wurden in unveränderter Form zwischen 1606 und 1920 hergestellt.
  7. Nils Lithberg, Schloß Hallwil (Schweiz), Stockholm 1932), Taf. 177.C-D.
  8. Konrad Strauss, Die Kachelkunst des 15. bis 17. Jahrhunderts in europäischen Ländern. III. Teil, München 1983, S. 63-66.
  9. Heller-Karneth/Rosmanitz 1990, S. 41, Kat.Nr.29.
  10. Christa Svoboda, Alt-Salzburger Hafnerkunst – Model und Kacheln des 16. bis 18. Jahrhunderts aus der Strobl-Werkstatt, Salzburg 1981, S. 45, Kat. Nr. 12-14, 23.
  11. Die Fundverbreitung widerspricht der regionalen Zuweisbarkeit der Motivwahl. Vielmehr muss das bislang sporadische Aufkommen eines wahrscheinlich weit verbreiteten Motivs in erster Linie auf den unzureichenden Publikationsstand des süddeutschen Kachelmaterials zurückgeführt werden.
  12. Thomas Ludwig, Das Romanische Haus in Seligenstadt, 1987, 116.