Eine Frage des guten Geschmacks – Die Kachelöfen von der Burg Rauschenberg

Vortrag im Rahmen der Auftaktveranstaltung „750 Jahre Stadtrechte Rauschenberg“ am Freitag, den 29. April 2016, ab 19.Uhr in der Kratz´schen Scheune in Rauschenberg

Der Wohlstand der Bewohner Rauschenbergs zur Zeit der Renaissance äußert sich nicht nur in Form weniger Mauern der einst mächtigen Burg oberhalb der Stadt. Frei nach dem Motto „Man gönnt sich ja sonst nichts“ statteten dieObrigkeit ihre eigenen vier Wände mit allerlei Luxus aus. Kriege und der Zahn der Zeit haben das meiste aus jenen Epochen unwiederbringlich zerstört. Scherben, vor allem aber die Reste von reliefierten Ofenkacheln geben uns jedoch eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie prächtig die einstige Innenausstattung gewesen sein dürfte.

Die Bilderwelt, die man sich im feudalen Oberhessen auf den Öfen vorzustellen hat, war topaktuell. Designer schufen in Frankfurt a. Main, Friedberg, Marburg und in der Schwalm nach neuesten Ideen Reliefs, die in kürzester Zeit auf den Adelssitzen zu bestaunen waren. Bei genauerer Betrachtung verraten uns die keramischen Reliefs eine Vielzahl von Geheimnissen. Sie bauen eine Brücke in die Bilderwelt und das Denken unserer Ahnen und zeugen vom umfassenden humanistischen Weltbild der Altvorderen.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts zu süd- und südwestdeutschen Ofenkeramik konnte der Referent in den letzten Jahren die Kachelbestände zahlreicher hessischer Museen und Bodendenkmäler erfassen. Alleine von der Burg Rauschenberg konnten in den letzten drei Jahren mehr als tausend Fragmente katalogisiert und ihre Bildersprache entschlüsselt werden.