Vortrag am 18. Februar 2026 in Hilpoltstein

Blattkachel mit Samson aus der Serie der alttestamentarischen Propheten Nürnberger Art. Hilpoltstein, Burg, H. 65,9 cm, Br. 50,7 cm (Hilpoltstein, Museum "Schwarzes Roß", ohne Inv.-Nr.)Höfische Pracht aus Nürnberg – Die Kachelöfen in der Hofhaltung von Dorothea Maria in der Burg von Hilpoltstein

 

Vortrag von Dr. Harald Rosmanitz

am Mittwoch, den 18. Februar 2026, 19:30 Uhr
im Gasthaus Schwarzes Roß, Marktstraße 10, 91161 Hilpoltstein

Eintritt frei!

 

Man muss schon recht genau hinsehen, um an den noch stehenden Gebäuderesten Rückschlüsse auf den Wohlstand der Bewohner der Burg Hilpoltstein zu ziehen. Die dort bei Grabungen 1988-1991 geborgenen Ofenkacheln zeichnen ein anderes Bild. Frei nach dem Motto „Man gönnt sich ja sonst nichts“ wurden die eigenen vier Wände mit allerlei Luxus ausgestattet. Kriege und der Zahn der Zeit haben das meiste davon unwiederbringlich zerstört. Die kleingeschlagenen Ofenkacheln geben uns jedoch eine recht genaue Vorstellung davon, wie prächtig die einstige Innenausstattung gewesen sein muss.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts konnten mit Unterstützung des Stadtmuseums die noch erhaltenen Fragmente über mehrere Jahre hinweg erfasst werden. Sie bilden einen festen Bestandteil der Datenbank zur süddeutschen Ofenkeramik, die inzwischen mehr als 89.00 Objekte umfasst (FurnArch). 2023 konnten die Forschungsergebnisse in einem 34seitigen Aufsatz vorgelegt werden.

Bei genauerer Betrachtung verraten uns die 1.216 Datensätze von der Burg Hilpoltstein eine Vielzahl von Geheimnissen. Sie bauen eine Brücke in die Bilderwelt und das Denken unserer Ahnen und zeugen vom umfassenden humanistischen Weltbild der Altvorderen. Die Bilderwelt, die in die Öfen eingebunden war, konnte topaktueller nicht sein. Designer schufen vor allem in Nürnberg nach neuesten Ideen Reliefs, die in kürzester Zeit auch auf in Hilpoltstein zu sehen waren.

Bei den Kachelfragmenten wird der Betrachter fast immer mit kleinen Kunstwerken konfrontiert, die massenhaft von Töpfern vor Ort und von jenen Keramikproduzenten stammen, die in der nahegelegenen Reichsstadt ihrem Gewerbe nachgingen. Zwischenzeitlich wissen wir, dass Nürnberger Keramikschaffende mit ihren Erzeugnissen auch die Residenz in Neuburg an der Donau und die Hofhaltung des Bayerischen Herzogs in Ingolstadt belieferten.

Der prächtigste Ofen ist jener aus der Hand des Stardesigners Wolfgang Leupold. Er zeichnete unter anderem für die Inneneinrichtung des Nürnberger Rathauses, eines der prächtigsten seiner Zeit, verantwortlich.

Tauchen wir ein in die Welt der kleinen Reliefs, die uns viel Geschichte und viele Geschichten zu erzählen haben.

Virtuelle Rekonstruktion des Ofens mit den alttestamentarischen Propheten Nürnberger Art aus Hilpoltstein. Visualisierung: Sabrina Bachmann, Heimbuchenthal

Virtuelle Rekonstruktion des Ofens mit den alttestamentarischen Propheten Nürnberger Art aus Hilpoltstein. Visualisierung: Sabrina Bachmann, Heimbuchenthal

Weiterführende Literatur:

Rosmanitz, Harald (2023): Die Ofenkacheln der Burg Hilpoltstein. In: Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 63 (2022), S. 379–413.

CV Rosmanitz:

Harald Rosmanitz (Jahrgang 1962) hat an den Universitäten in Heidelberg und Karlsruhe Kunstgeschichte, Ur- und Frühgeschichte sowie Geschichte studiert. In dem Thema seiner Magisterarbeit zu den barocken Kachelöfen vom Saumarkt in Karlsruhe-Durlach schloss er an seine archäologischen Untersuchungen in Ettlingen und Karlsruhe-Durlach an. Nach dem Studium war er als Museumspädagoge im Museum im Ritterhaus in Offenburg tätig. Später leitete er das Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen. Seit 2001 arbeitet Harald Rosmanitz beim Archäologischen Spessartprojekt e.V. – Unterfränkisches Institut für Kulturlandschaftsforschung an der Universität Würzburg (ASP). Seit 2004 führt er im Rahmen eines Forschungsprojekts zu den Burgen und Klöstern im Spessart zahlreiche Ausgrabungen an mittelalterlichen Wehranlagen, Klöstern und Siedlungen durch. Die Ergebnisse der laufenden Forschungen sind auf der Website www.spessartprojekt.de einsehbar.

Daneben beschäftigt sich Harald Rosmanitz mit dem Thema „Ofenkeramik“. Neben dem Aufbau einer Website (www.furnologia.de) erstellte er eine bislang als 89.000 Objekte fassende Bestandsdatei süd- und südwestdeutscher Ofenkacheln (FurnArch). Seine Dissertation am Lehrstuhl für Mittelalterarchäologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg/Halle über die südwestdeutsche, reliefierte Ofenkeramik (Prof. Hans-Georg Stephan) konnte im Dezember 2021 abgeschlossen werden.

Zur Bibliographie siehe https://furnologia.de/bibliothek/.