Vortrag am 6. Mai 2026 in Villingen

Das Villinger Ausnahmetalent Hans Kraut – Bildhauer, Töpfer und Unternehmer in der Zeit der Renaissance

Vortrag von Dr. Harald Rosmanitz

am Mittwoch, den 6. Mai 2026, um 19 Uhr

im Franziskanermuseum Villingen, Rietgasse 2, in 78050 Villingen

 

Der Villinger Töpfer Hans Kraut (ca. 1520 – 1569) erfuhr und erfährt Beachtung, die weit über die Stadt Villingen hinausreicht. Für die Renaissance ist er der mit Abstand wichtigste Töpfer Südwestdeutschlands.

Unser Blick beschränkt sich aber meist auf herausragende Einzelstücke wie auf die Wappentafel des Villinger Kaufhauses. In den Beständen des Franziskanermuseum schlummert ein zusätzlicher Schatz: Die (keramischen) Überreste seiner Werkstatt, die im 19. und 20. Jahrhundert dort geborgen wurden. Vieles davon ist kleinteilig zerscherbt.

Eben jener Werkstattbruch steht im Mittelpunkt der Betrachtungen. Die auf den ersten Blick meist unansehnlichen Stücke geben viele Geheimnisse über die Arbeitsweise Krauts preis. Unter anderem lässt sich aufzeigen, dass der Töpfer gleichzeitig zwei Verbrauchergruppen mit seinen Erzeugnissen belieferte. Zur Deckung des lokalen Bedarfs schuf seine Werkstatt Kacheln für niedrigpreisige Öfen. Gleichzeitig war er imstande, Luxusobjekte wie Reliefplatten oder Öfen für die geistliche und weltliche Elite Vorderösterreichs zu fertigen.

Tauchen Sie ein in die Welt der kleinen Reliefs, die uns viel Geschichte und viele Geschichten erzählen.

 

Das runde Model, dessen unteres Fünftel abgesplittert ist, zeigt im Innenfeld das Wappen der Stadt Villingen. Die Wappenverbesserung in der hier gezeigten Form geht auf eine Initiative von Kaiser Karl V. aus dem Jahre 1530 zurück. Es ist flankiert von den Wappen des Hauses Habsburg und dem Reichswappen. Die Rahmenleiste weist einen Besatz mit 48 kleinen Wappenschilden auf. Konzentrische Stege auf der Rückseite verleihen dem Model die notwenige Stabilität, wenn in dessen Vorderseite eine Masse aus Marzipan oder Tragant eingedrückt wurde. Model für Feingebäck werden in Weigels Handwerksbuch von 1698 noch vor Ofenkacheln als hervorragende künstlerische Werke der Töpfer aufgeführt. Die modelgepressten Bildgebäcke waren wegen der zum Einsatz kommenden exotischen Zutaten oft wertvoll. Solch ein Zierrat eignete sich ideal als repräsentativer Dekor bei Schauessen.