Vortrag am 2. Oktober in Haßfurt

Haßfurt, eine renaissancezeitliche Töpferstadt? Kacheln aus Grabungen aus dem Stadtgebiet

Vortrag von Dr. Harald Rosmanitz

am 2. Oktober 2026, um 18 Uhr

im Vortragsraum des Bibliotheks- und Informationszentrums Haßfurt, Marktplatz 10, 97437 Haßfurt

 

Bei der Sichtung von archäologischen und musealen Beständen von Ofenkacheln fällt es oft schwer, diese keramischen Zeugnisse in das rechte Licht zu rücken. Dabei bringen gerade die Ofenkacheln neben Gebrauchsgeschirr die idealen Voraussetzungen mit, um ein „sprechendes Zeugnis“ über die Lebens- und Denkgewohnheiten unserer Vorväter abzulegen.

Im Rahmen des Vortrags werden erstmals jene Fundstücke in den Mittelpunkt einer abendfüllenden Betrachtung gestellt, die in Haßfurt und Umgebung bei Ausgrabungen und Feldbegehungen zu Tage gefördert wurden. Es gilt, an ausgewählten Beispielen Fragen zu Entstehung und Verbreitung einer Kachel von der graphischen Vorlage, ihrer Umsetzung auf Model bis hin in den Einbau in den Ofenkörper zu erläutern.

Kachelfragmente aus Haßfurt: mit stehendem Putto und Basilisken (links), mit Halbbild eines Apostels (mitte), und mit stehendem Narren (rechts).

Die vorgestellten Fragmente von Herstellungsmitteln und Endprodukten eröffnen ungewöhnliche Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Stadt Haßfurt, langezeit Sitz der für die Bistümer Würzburg und Bamberg zuständigen Töpferzünfte. Ein Teil des gezeigten Materials stammt von zwei in der Renaissance hier aktiven Werkstätten. Die hier tätigen Töpfer das lieferten, was örtlich benötigt und verbraucht wurde. Die vor Ort gefertigte Ware weisen enge Bezüge zum gesamten Untermain auf. Die Mehrfarbigkeit der zum Einsatz kommenden Glasuren und die Motivwahl können als Indizien dafür herangezogen werden, dass gegen 1550 die in der Stadt am Main tätigen Keramiker auch impulsgebend agierten.