Motive: Löwen und Pfeilen aus Hofstetten

Fragment einer über Eck geführten Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade graphitiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 7,8 cm, Br. 12,7 cm, Hofstetten, Sammlung Leuschner, urspr. Hofstetten SchlossBei Sanierungsarbeiten im Schloss Hofstetten im Naturpark Altmühltal wurden u.a. zahlreiche Fragmente von Ofenkacheln zutage gefördert.  Von den 126 in FurnArch erfassten Stücken (Stand August 2020) soll an dieser Stelle das Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen und pfeilbesetzten Zwickeln in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt werden.1 Die ursprünglich an ihrer Vorderseite graphitierte Kachel dürfte in die unterste Lage des Feuerkastens beziehungsweise des Oberofens eingebaut gewesen sein. Den oberen Abschluss der Kachel bildet ein glatter Halbstab. Der darunter liegende Fries ist als Arkade ausgebildet. Über den diamantschnittbesetzten Pfeilern sind die Zwickel mit nach oben weisenden Pfeilern besetzt. Die Bogenlaibung wurde als glatte, leicht erhabene Leiste gearbeitet. Die Bogenfelder sind mit Löwenköpfen besetzt. Im Stil des Manierismus hat man diese groteskenhaft verfremdet. Als unterschiedliche Typen sind folgende drei auszumachen: der ringhaltende Löwenkopf mit zotteliger Mähne und Rollwerkbesatz über der Stirn. Eine weitere Möglichkeit war es, den Löwenkopf in seinem unteren Drittel durch Blattbesatz als Blattmaske zu gestalten. Die Mähne wurde in diesem Fall als Rollwerk verfremdet. Über der Stirn ist zusätzlich noch eine Radhaube angedeutet. Die dritte Variante ist ähnlich der zweiten. Allerdings sind hier die Blattbesätze sowohl über der Stirn als auch unter dem Kinn deutlich ausgeprägter. Der Kopf wird von breitem Rollwerk horizontal eingefasst. Unterhalb des löwenkopfbesetzten Frieses greift die Gesimskachel mit fallendem Karnies nach vorne aus. Der Versatz ist mit einem eierstabverziertem Viertelstab besetzt. Ein weiterer, glatter Viertelstab und eine glatte Leiste schließen die Komposition nach unten hin ab.

Das Gros der bislang 33 in FurnArch zusammengetragenen Kachelfragmente, auf denen das Motiv aufgebracht wurde, sind Gesimskacheln mit fallendem Karnies. Ähnlich wie beim Ofen im Schloss von Hofstetten waren die Stücke jeweils als Sockelleisten entweder in den Feuerkasten oder in den Oberofen eingebaut. Für Kirchheim/Teck ist die Übernahmen auf Ofenbekrönungen beziehungsweise Leistenkacheln belegt.

Verbreitung der Gesimskacheln mit Löwenköpfen und Pfeilen, Karte: Sabrina Bachmann, HeimbuchenthalDer Fries mit den groteskenhaft verfremdeten Löwenköpfen erlaubt es, das Motiv stilistisch an den Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert zu stellen. Baron Ludwig Döry verwies in diesem Fall auf die stilistische Nähe zum Werkschaffen des ab 1610 in Frankfurt am Main ansässigen Johannes Vest.2 Bei der Suche nach der Abkunft des Motivs kommt darüber hinaus der Salzburger Werkstatt in der Steingasse eine wichtige Rolle zu.3 Der Nachweis für Hofstetten und München rückt das Motiv in die Nähe formgebender Werkstätten (Altes Krankenhaus), die im 17. Jahrhundert in Ingolstadt ansässig waren.

Im Gegensatz zu anderen manieristischen, furnologischen Motivgruppen fällt auf, dass das Motiv zwar kleinräumig geballt, aufs Ganze kartiert jedoch über eine große Gebietskulisse wahllos verstreut zu sein scheint. Als südlichster Verbreitungspunkt ist auf das Schloss im schweizerischen Rümlingen zu verweisen. Nach Osten greift das Motiv bis in das oberösterreichische Eferding aus. Die nördlichsten Fundpunkte liegen in Südthüringen. Die Produktion solcher Gesimskacheln ist für Aschaffenburg, Bad Neustadt, Dieburg, Eferding und Salzburg belegt.


Gesimskacheln mit Löwenköpfen und Pfeilen

Fragment einer über Eck geführten Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
graphitiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 7,8 cm, Br. 12,7 cm

Hofstetten, Sammlung Leuschner, urspr. Hofstetten, Schloss
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
graphitiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 8,3 cm, Br. 8,0 cm

Hofstetten, Sammlung Leuschner, urspr. Hofstetten, Schloss
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
dunkelbraun glasiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 6,6 cm, Br. 8,6 cm

Hofstetten, Sammlung Leuschner, urspr. Hofstetten, Schloss
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
dunkelbraun glasiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 13,3 cm, Br. 8,6 cm

Hofstetten, Sammlung Leuschner, urspr. Hofstetten, Schloss
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
weiß behautet, erstes Drittel 17. Jh., H. 5,1 cm, Br. 5,1 cm

Ingolstadt, Stadtmuseum, Inv.-Nr. A 07620/0668, urspr. Ingolstadt, Schulstraße 5/7
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
dunkelbraun glasiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 10,5 cm, Br. 16,0 cm

Wertheim, Grafschaftsmuseum, Inv.-Nr. 5400
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
graphitier, erstes Drittel 17. Jh., H. 7,2 cm, Br. 11,6 cm

Idstein, Stadtmuseum im Killingerhaus, urspr. Idstein Schloss, Südflügel
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
graphitiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 12,2 cm, Br. 18,7 cm

Frankfurt am Main, Historisches Museum, Inv.-Nr. X 76:196 (KI) 247, urspr. Frankfurt am Main, Stadtgraben
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
graphitiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 10,2 cm, Br. 14,2 cm

Dieburg, Museum Schloss Fechenbach, urspr. Dieburg, Fuchsberg 12-16
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
dunkelbraun glasiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 10,3 cm, Br. 18,6 cm

Bad Neustadt an der Saale, Museum
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
dunkelbraun glasiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 11,1 cm, Br. 11,7 cm

Römhild, Steinsburgmuseum, Inv.-Nr. 12388, urspr. Walldorf, Kreis Schmalkalden, Kirchenburg
Fragment einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
grün glasiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 9,7 cm, Br. 10,4 cm

Römhild, Steinburgmuseum, urspr. Schmalkalden, Auergasse 16
Fragment einer Ofenbekrönung (?) mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
graphitiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 4,5 cm, Br. 9,0 cm

Kirchheim/Teck, Städtisches Museum im Kornhaus, urspr. Kirchheim/Teck, Wellingstraße 14
Fragment des Models einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
unglasiert, erstes Drittel 17. Jh. (1606?), H. 7,9 cm, Br. 7,1 cm

Speyer, Historisches Museum der Pfalz, Inv.-Nr. 01115
Fragment des Models einer Gesimskachel mit Löwenköpfen in pfeilbesetzter Arkade
unglasiert, erstes Drittel 17. Jh., H. 12,5 cm, Br. 25,0 cm

Aschaffenburg, Museum der Stadt, Inv.-Nr. 1931

Weiterführende Literatur:

Adriano Boschetti-Maradi, Daniel Gutscher, Rümlingen, Schloss. Aushubbeobachtungen 1993, in: Archäologie im Kanton Bern. Fundberichte und Aufsätze 5A (2004), S. 117, Abb. 177.3

Ludwig Döry, Die glasierten Ofenkacheln aus Befunden der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom St.-Jakobs-Platz in München, in: Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 47/48 (2006/07), S. 260-261, Abb. 24

Alice Kaltenberger, Grundlagen. Keramik des Mittelalters und der Neuzeit in Oberösterreich, (Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich) Linz 2009, S. 521, Kat.-Nr. 295-296, Taf. 213.

Ernst Langthaler, Alte Salzburger Hafnerkunst. Dokumentation zu den Funden im Haus Steingasse 67 in Salzburg. 2. Teil, Salzburg 1979, Abb. 8.

Svoboda, Christa, Alt-Salzburger Hafnerkunst. Model und Kacheln des 16. bis 18. Jahrhunderts aus der Strobl-Werkstatt, Salzburg 1981, S. 57-58, Kat.-Nr. 67, Abb. 52.


© Harald Rosmanitz, Partenstein 2020


  1. Hofstetten, Sammlung Leuschner H: 7,8 cm, Br. 12,7 cm, T: 10,1 cm
  2. Ludwig Döry, Die glasierten Ofenkacheln aus Befunden der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom St.-Jakobs-Platz in München, in: Bericht der Bayerischen Bodendenkmalpflege 47/48 (2006/07), S. 247–267, S. 260-261
  3. Ernst Langthaler, Alte Salzburger Hafnerkunst. Dokumentation zu den Funden im Haus Steingasse 67 in Salzburg. 2. Teil, Salzburg 1979, Abb. 8; Svoboda, Christa, Alt-Salzburger Hafnerkunst. Model und Kacheln des 16. bis 18. Jahrhunderts aus der Strobl-Werkstatt, Salzburg 1981, S. 57-58, Kat.-Nr. 67, Abb. 52.