Motive: Liebespaar

Wie im Wetterhäuschen – Ein Liebespaar in Renaissancegewandung

Fragment einer Kranzkachel mit Liebespaar in Renaissancegewandung von der Burg Bartenstein, Untermain, um 1530, Partenstein, Burg Bartenstein, Partenstein, Museum Ahler Kram, Fd.-Nr. 1317Aus dem Schutt des Mainzer Baus der Burg Bartenstein stammen mehrere Fragmente einer Kranzkachel mit Liebespaar in Renaissancegewandung. Mit seinem leicht ausschwingenden Vorsatzblatt war die Kranzkachel in den oberen Abschluß eines zylindrischen Oberofens eingebaut.

Das 3-D Modell der Kranzkachel mit Liebespaar

Über einem dreifach abgetreppten Sockelleiste erhebt sich als Hauptbildfeld eine Arkade mit zwei Nischen. In ihnen steht vor glattem Hintergrund ein Paar in Renaissancegewandung. Die Figuren nehmen in ihrer Haltung Bezug zueinander. Der Mann (li) trägt ein Barett. Sein Körper ist von einer Schaube bedeckt, die zahlreiche scharfkantige Falten durchziehen. Die Frau trägt einen langen, plissierten Rock. Ihr Haar wird von einem Haarnetz eingefaßt. Die Hände hat sie auf Höhe der Taille verschränkt. Eine Halbsäule mit glattem Schaft und Kompositkapitell trennt die beiden stehenden Figuren voneinander. Den oberen Abschluss des Kachelblattes bildet ein hohes Abschlußgesims. Es setzt sich aus einer Leiste mit Punktbuckelbesatz, einer glatten Kehle und einem akanthusblattbesetzten Fries zusammen. Den oberen Abschluss der weit zum Betrachter ausladenden Struktur bildet eine einfach abgetreppte, glatte Leiste.

Verbreitung von Kranzkacheln mit Liebespaar in Renaissancegewandung Legende: rot: Kachelofenstandort; blau: ProduktionsstandortHans Ramisch setzte das Kachelrelief stilistisch in die Nähe der in Würzburg tätigen Riemenschneider-Werkstatt.1 Durch die Tracht der Dargestellten kann die Kachel in die Zeit zwischen 1525 und 1530 datiert werden. Bislang beschränkt sich die Verbreitung des Motivs auf Franken.

In ein ähnliches Gliederungssystem lassen sich musizierende Landsknechte einbinden.2 Eine Kranzkachel aus Würzburg zeigt anstelle des Paares die stehenden Ganzfiguren der Verkörperungen der Liebe und des Glaubens. Als weitere Abwandlung ist auf den Besatz mit dem Büsten eines Paares in Renaissancegewandung zu verweisen, die Knickhalslaute beziehungsweise Fiedel spielen.3

© Harald Rosmanitz, Partenstein 2022


Literaturverzeichnis

Hügel, Philipp (1995): Ofenkacheln und Bodenfliesen von der Burg Wertheim. Teil 1. In: Mitteilungen an die Wertheimer Münzfreunde 67/4, S. 1–39.

Lippert, Inge (2016): Keramikfunde aus Schweinfurt. Ofenkacheln und Model des 15. bis 17. Jahrhunderts. In: Naturwissenschaftliches Jahrbuch Schweinfurt 28, S. 1–121.

Ramisch, Hans (1980): Bodenfunde von Ofenkacheln des 16. und 17. Jahrhunderts aus Gerolzhofen, Landkreis Schweinfurt. In: Jahrbuch der Bayerischen Denkmalpflege (34), S. 127–158.


 

  1. Ramisch 1980, S. 135-136
  2. Hügel 1995, Blatt 28; Lippert 2016, S. 18-21, Kat.-Nr. 1
  3. Lippert 2016, S. 92-94, Kat.-Nr. 26